Wien - Seine Vorbehalte gegen den beim Zugang zum Medizinstudium in Wien und Innsbruck verwendeten EMS-Test deponierte der Wissenschaftssprecher der SPÖ, Josef Broukal, in einer Aussendung. Eine heute, Dienstag, in Wien präsentierte Studie habe vor allem bezüglich der Benachteiligung von österreichischen Frauen die Vorbehalte gegen die Prüfung bestätigt, so Broukal.

"Benachteiligung"

Broukal kritisierte Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) für sein generelles Festhalten am Test. "Diesen Test so bitte nie wieder", sagte der Mandatar und forderte vom Wissenschaftsminister entsprechende Vorschläge zur Verbesserung der Situation. Auch SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser zeigt wenig Sympathie für den EMS-Test. Dieser sei "in Deutschland entwickelt und in der Schweiz adaptiert" worden und nehme nicht auf das österreichische Schulsystem Bedacht. Niederwieser würde sich "eher eine Bevorzugung unserer Maturanten und nicht eine Benachteiligung" erwarten.

Zu spät

Für Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher der Grünen, ist es "geradezu skandalös, dass Hahn eins zu eins Schweizer Tests als Zulassungsprüfung für die Österreichischen Universitäten übernommen hat, ohne über die Folgen nachzudenken". Eine nachträgliche Untersuchung, wie jetzt durch die Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) durchgeführt, komme für die Betroffenen, denen bereits die Chance auf ein Studium genommen worden sei, zu spät.

Die Aussagekraft von derartigen Tests werde von auch von Experten in Frage gestellt, so Grünewald weiter. Universitäten seien Bildungseinrichtungen, wo sich Begabungen, Studierfähigkeit und Talente auch erst nach und nach entwickeln könnten. Hahn müsse bereit sein, die Frage des Universitätszugangs zu diskutieren und Lösungen vorzulegen sowie den Unis mehr Geld zu geben.

Schulbereich adaptieren

Für ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek steht nach Veröffentlichung der Studie fest, dass der SPÖ-Vorschlag nach Einführung einer Frauen-Quote "endgültig vom Tisch ist". Auch stehe der von Broukal geforderte Stopp des EMS-Tests keineswegs im Zusammenhang mit der heute vorgestellten Studie über die Gründe des unterschiedlichen Abschneidens von Frauen und Männern bei Medizintests. Nötige Maßnahmen ortet die Mandatarin im Schulbereich.

Für die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) zeigt die Studie "erneut die wahren Verlierer des österreichischen Bildungssystems auf und zwar Frauen und Studierende, deren Eltern niedrige Schulbildung besitzen". Dieser Diskriminierung müsse "nun endlich durch Frauenförderung und bessere soziale Absicherung" entgegen gewirkt werden. Auch sollte raschest an einer Adaptation des Tests gearbeitet werden. (APA)