Schon früher war die Küche zentraler Teil einer Wohneinheit. Mit der Lust am Kochen wird sie es wieder.

Foto: Christian Fischer
Sinnbild der gesteigerten Wertschätzung, die das Kochen genießt, ist die Lage des Herdes, ja der ganzen Küche: Immer häufiger ist sie integraler Bestandteil des Esszimmers oder Teil des Wohnzimmers. Dass da eine Küche nicht aus ein paar lieblos zusammengezimmerten Resopal-Platten samt ein paar Standgeräten aus den 80er Jahren bestehen kann, ist nur logisch. "Wenn Kochen von der Pflicht zur Kür wird, muss die Küche was hermachen", sagt Andreas Kreutzer vom Consultingunternehmen Kreutzer Fischer & Partner. Das stark köchelnde Geschäft mit den Küchenmöbeln untersucht er regelmäßig in seinem Branchenradar. Zuletzt im Sommer 2007. Da wurde ein Ex-factory-Umsatz der österreichischen Küchenmöbelhersteller von 238,3 Millionen Euro festgestellt. Ex-factory, das heißt, der Gesamtumsatz mit Küchenmöbel ist nochmals um rund die Hälfte höher, weil Handelsspanne und Mehrwertsteuer noch dazu kommen. Diesen Kuchen teilen sich Unternehmen wie Dan, Ewe, Ikea, die die meisten heimischen Küchen einrichten.

"Für uns ist das Küchengeschäft eines der wichtigsten Absatzfelder", sagt Ikea-Pressefrau Barbara Riedl. Und wird die Küche normalerweise von einem Trupp Fachleuten zusammengebaut, ist es bei Ikea anders: Der Anteil an Selbstmontage bei den meist recht komplexen Kombinationen ist hoch: "Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn man die Dinge selber macht", sagt Riedl.

Besonders aber profitieren die Top-Hersteller vom Wunsch an der schönen Küche: Bulthaupt, Poggenpohl und Co. verzeichnen die höchsten Zuwachsraten, zusammen mit den Herstellern besonders nobler und teurer Küchengeräte wie etwa Miele. "Deren Anteil am Neuküchengeschäft ist stärker gewachsen als bei den anderen Anbietern", analysiert Kreutzer. Trotzdem halten sie nur fünf Prozent vom Gesamtumsatz. Eine solche Küche kann aber auch locker das Doppelte kosten: Statt 3000 Euro 6000 Euro – nach oben hin offen.

In der Euphorie um das Küchenmöbelgeschäft sei zu bedenken, "dass in den ältesten Küchen oft am meisten gekocht wird", relativiert Kreutzer eventuellen Neid auf die High-Tech-Küche. Und dass das, was täglich gegessen wird, nicht automatisch mit den Kosten einer Küche einhergeht, qualitätsmäßig. Im Gegenteil, doziert er, die schönsten, teuersten Küchen sind manchmal nur Schauobjekt, Teil der innenarchitektonischen Gestaltung einer Wohnung.

Dem Geschäft mit den Küchen tut dies keinen Abbruch. Am Beispiel der Schweiz weiß er, dass "die Küche dort ein fixer Bestandteil aller Mietverträge ist". Nur langsam springen auch hierzulande die Bauträger darauf auf und stellen in eine neu gebaute Wohnung eine Komplettküche hinein. Schließlich können sie so höhere Mieten bzw. einen höheren Wohnungspreis erlösen.

Die Lebensdauer einer Küche ist 20, maximal 25 Jahre. Dann wird sie komplett runderneuert. Mit steigender Mobilität der Gesellschaft sinkt dieser Wert. Bei einem Umzug wird auch die Küche nach den eigenen Wünschen renoviert und mit neuen Einbaugeräten ausgestattet. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2007)