Bild nicht mehr verfügbar.

Die österreichischen Weinbauern dürfen weiter dem Wein Zucker zusetzen – wenn auch weniger als bisher.

Foto: APA/dpa/Boris Rössler
Nach Marathon-Verhandlungen haben sich die EU-Agrarminister auf eine Reform des Weinmarktes geeinigt. Die Zuckerung von Wein bleibt erlaubt, in vier Jahren soll die teure Destillation von Überschüssen enden. Die Ersparnis soll in Marketing investiert werden.

***

Brüssel/Wien – Landwirtschaftsminister Josef Pröll zeigte sich mit dem Ergebnis der EU-Weinmarktreform, auf das er und seine Amtskollegen sich nach zähen Verhandlungen geeinigt haben, "absolut zufrieden". "Wenn man bedenkt, was am Anfang vorgelegen ist, kann man sagen: Diese Reform sichert nicht nur den Weinstandort Österreich ab, sondern gibt ihm auch eine sehr positive Entwicklungsmöglichkeit", sagte Pröll nach dem Abschluss der Beratungen. Österreich habe dadurch bis 2015 um rund 20 Millionen Euro mehr Geld für den Weinsektor zur Verfügung als bisher.

Aus österreichischer Sicht sei es gelungen, "die Giftzähne der ursprüngliche Reform" zu ziehen und zentrale Anliegen durchzusetzen. Trotzdem sei das gemeinsame europäische Ziel erreicht worden, nämlich Geldausgeben für Vernichtung von Weinüberschüssen mit einer Übergangsfrist von vier Jahren zu stoppen. Damit könne die EU im europäischen Weinbau künftig stärker in Vermarktung, Innovation und bessere Infrastruktur investieren.

Bei der Zuckerung bleibe alles beim "Status quo", weil sowohl das Aufzuckerungsverbot als auch die Etikettierung vom Tisch seien, betonte Pröll. In schlechten Jahren könnte weiter im bisher üblichen Maß angereichert werden. Allerdings werden die Grenzen für die Alkoholkorrektur reduziert: Österreichs Winzer dürfen den Alkoholgehalt der Weine mithilfe von Zucker dann nur noch um 2,0 Prozentpunkte nach oben korrigieren, und nicht wie bisher um 2,5 Prozent.

Bei den Rodungsprogrammen erwartet er kaum Auswirkungen auf Österreich, weil es kaum Überschüsse gebe.

Die seit den 70er-Jahren bestehenden Rodungsprämien werden für drei Jahre aufgestockt: um 20 Prozent 2009 und um zehn Prozent 2010. Insgesamt will die EU-Kommission die Weinanbaufläche damit in drei Jahren um rund 175.000 Hektar bzw. fünf Prozent reduzieren.

Ausnahme Wachau

Bei den Rodungen sollen Winzer über 55 Jahre, die ihren Betrieb zur Gänze aufgeben wollen, bevorzugt werden. Ausgenommen von den Rodungen sind Steilflächen und Terrassen – wie etwa in der Wachau oder in der Steiermark –, kleine Inseln sowie Weingärten die aus ökologischer Sicht bedeutend sind.

Ursprünglich wollte die EU-Kommission bis zu 400.000 Hektar roden, um die Überschüsse zu reduzieren.

Auch bei der künftig möglichen Angabe von Sorte und Jahrgang auch auf billigen Tafelweinen sieht der Landwirtschaftsminister keine Gefahr für Qualitätsweinproduzenten, weil das für Verschnitte von Weinen aus mehreren Mitgliedstaaten weiter nicht erlaubt sei. Zudem werde es strenge Kontrollen geben.

Österreich hatte bisher ein nationales Weinbudget – für Marketing, Umstellung von Weingärten und Investitionen in die Verarbeitung – in einer Höhe von rund 6,5 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung.

Der Betrag wird von 2009 bis 2015 graduelle von acht auf 13,7 Mio. Euro steigen. Mit dem Geld sollen weiter Investitionen in moderne Kellertechnik und vor allem die Vermarktung der österreichischen Weine gefördert werden.

"Insgesamt ist es ein guter Kompromiss", sagte Pröll, insbesondere wenn man bedenke, dass das EU-Weinbudget seit 1999 von 640 Mio. Euro auf jetzt 1,4 Mrd. gestiegen sei. Hier werde mit der Reform ein Deckel eingezogen und nichts mehr für Vernichtung ausgegeben. (mimo, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12.2007)