Wien - Zentral- und Osteuropa (CEE) hat sich für die Kraftfahrzeugindustrie, eine Branche mit hohem Konsolidierungs- und Globalisierungsgrad, zu einer wichtigen Region entwickelt. Im Jahr 2006 wurden in Zentral- und Osteuropa fast 5 Millionen Fahrzeuge produziert, davon mehr als eine Million in Russland. Gemessen an der Wertschöpfung wächst die Kfz-Branche in Osteuropa um jährlich rund 20 Prozent, wie aus einer heute, Mittwoch, veröffentlichten Studie der Bank-Austria-Creditanstalt (BA-CA) hervorgeht.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit 69 Millionen Autos produziert. Eine dominierende Stellung dabei hatten drei Regionen, in denen die Kfz-Erzeugung traditionell eine bedeutende Rolle spielt: Nordamerika, Japan und Westeuropa. Einige führende Hersteller stehen allerdings vor zunehmenden Herausforderungen: Dazu zählen eine sinkende Nachfrage auf den traditionellen Märkten, Überkapazität, wachsende Konkurrenz, steigende Kosten für Forschung und Entwicklung sowie ein Anstieg der Ölpreise. Dies führt zu komplexen Restrukturierungsmaßnahmen, die auch Produktionsverlagerungen beinhalten. "Insbesondere die Länder in Zentral- und Osteuropa profitieren sehr stark von diesen Entwicklungen", sagt Debora Revoltella, BA-CA-Chefökonomin für CEE. "In der Region CEE werden derzeit knapp 16 Prozent aller in Europa hergestellten PKW erzeugt, wobei sich der Anteil seit 2002 verdoppelt hat." Einschließlich Russland liegt dieser Anteil bei 22 Prozent.

Ohne hohe Auslandsinvestitionen wäre das starke Wachstum der Autoindustrie in den CEE-Ländern nicht möglich. Aus der Studie der UniCredit Group über die KFZ-Branche geht hervor, dass die Auslandsinvestitionen bereits ein Gesamtvolumen von über 20 Mrd. Euro erreicht haben. "In den letzten Jahren hat die Region CEE alle weltweit führenden Hersteller aus Europa, den USA und Asien angezogen. Dazu zählen Volkswagen, Renault, Peugeot-Citroen, Fiat, GM, Ford, Toyota, Hyundai-KIA, Suzuki und einige andere", erläutert Revoltella.

In vielen osteuropäischen Ländern haben die Zulieferfirmen einen hohen Anteil an der Wertschöpfung der Branche. Die Autoindustrie in der Region CEE ist stark export-orientiert, die Exporte aus dieser Region haben sich seit 2000 fast verdreifacht.

Hohe Anziehungskraft

"Die hohe Anziehungskraft der Region CEE ergibt sich auch aus ihrem bedeutenden Marktpotenzial", sagt Revoltella. "Hier kommt die Kombination von Bevölkerungsgröße, hohem Einkommenswachstum und geringer Marktdurchdringung im Kraftfahrzeugbereich zum Tragen." Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Anzahl der Autos in Zentral- und Osteuropa viel niedriger - in Russland, der Türkei und Rumänien beispielsweise kommen auf 100 Einwohner weniger als 20 Autos - als in Westeuropa (mit fast 60 Autos pro 100 Einwohner in Italien und Deutschland).

Viele globale Autohersteller wählen die Region CEE auch deshalb als Produktionsstandort, weil sie in Zukunft mit einem raschen Absatzwachstum auf den lokalen Märkten rechnen. Insgesamt sind in den zentral- und osteuropäischen Ländern (mit Russland) 75 Millionen Autos registriert. Im Jahr 2006 erreichten die Neuwagenverkäufe insgesamt drei Millionen Einheiten.

Der grenzüberschreitende Branchencluster in Zentraleuropa (Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn), das "Neue Detroit", wird nach Ansicht von Branchenexperten eines der wichtigsten Zentren der Kraftfahrzeugherstellung bleiben und sogar weiter expandieren. Derzeit hält Tschechien die führende Stellung in der Pkw-Erzeugung, aber die Produktion in der Slowakei wird in Zukunft stärker wachsen. In Tschechien wurden 2006 insgesamt 850.000 Autos hergestellt. Zu den führenden Herstellerländern zählten 2006 auch Polen mit über 600.000 Stück und die Türkei mit rund 550,000 Autos. In naher Zukunft wird die Slowakei ihre Stellung in der Region stark ausbauen: Zur bedeutenden Präsenz von Volkswagen kommen dort die in letzter Zeit getätigten hohen Investitionen aus dem Ausland (PSA, Kia). (APA)