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Gerhard Mayer war 15. der EM 2006 in Göteborg, heuer gewann er Gold bei der Universiade in Bangkok, verpasste aber das WM-Limit. Sein Ziel ist und bleibt Peking 2008.

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Wien – „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. So bedauerlich dieser Fehler auch war.“ Sagt Johann Gloggnitzer, Präsident von Österreichs Leichtathletikverband (ÖLV). „Es waren zwei Nummern einander sehr ähnlich, sie wurden verwechselt. Es ist bedauerlich, dass erst nach der A-Probe die falsche Etikettierung entdeckt wurde.“ Sagt Günter Gmeiner, Leiter des Dopingkontrolllabors Seibersdorf. Unschuldig zum Handkuss gekommen ist der Diskuswerfer Gerhard Mayer (27) aus Franzensdorf in Niederösterreich. Er hatte zwei Wochen lang an das Ende seiner Karriere glauben müssen. „Ich hab nicht mehr trainieren können, bin tagelang vor dem Fernseher gesessen und hab gegrübelt, wie das passieren konnte.“ Verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel, das schien Mayer und seinem Trainer Gregor Högler die einzig mögliche Erklärung zu sein. Derart hatten sich u.a. schon der Skifahrer Hans Knauß und zweimal Hürdensprinter Elmar Lichtenegger zu rechtfertigen versucht. Wobei der überschrittene Wert (anabole Steroide) bei der vermeintlichen Mayer-Probe so hoch lag, dass er kaum aus der Nahrungsergänzung kommen konnte. Mayer ließ seine Vitamin- und Ascorbinsäure-haltigen Mittel, vier an der Zahl, nachträglich in Seibersdorf untersuchen. Ergebnis: die Nahrungsergänzungsmittel waren sauber, an ihnen lag’s nicht. „Nachträglich“ ist übrigens die einzige Möglichkeit, denn ein WADA-Labor darf Nahrungsergänzungsmittel erst im Auftrag eines Anti-Doping-Komitees nach einer positiven A-Probe analysieren. Seibersdorf-Chef Gmeiner ist darüber unglücklich. Die WADA will verhindern, dass Hersteller in Verbindung mit ihr werben können. Trainer Högler: „Ein Sportler müsste Nahrung vorher testen lassen können, nur dann hat er Sicherheit.“ Högler war bis vor kurzem der beste Speerwerfer im Land, nach seinem Rücktritt coacht er „praktisch ehrenamtlich“. Auch Mayer wird von seinem Sport nicht reich werden. „Wir sind Idealisten“, sagt Högler, „wir stehen auf dem Acker im Gatsch. Leichtathletik ist unser Leben.“ Mayer: „Ich hab die zwei Wochen wie im Traum gelebt und gewartet, dass ich aufwache.“ Wäre auch die B-Probe positiv gewesen, so wären Högler und Mayer zum Lügendetektortest nach London geflogen. Er hätte wenig geändert, wäre nur ein Beleg gewesen für die persönliche Integrität. Dass Seibersdorf den Fehler „bedauerlich“ spät, aber doch entdeckte, sei laut Gmeiner „ein schönes Beispiel für die Bedeutung von Qualitätssicherung“. Selbst wenn Mayer etwa entnervt auf Öffnung der B-Probe verzichtet hätte, wäre bei Vernichtung der Proben ein letztes Mal gegengecheckt worden. Freilich darf man sich fragen: wie genau? Mayer interessiert, wie es dazu kommen konnte, dass Journalisten und Funktionäre, obwohl das Verfahren noch lief, von der positiven A-Probe erfuhren. Dass bei seinem Verein und seinem Arbeitnehmer, dem Bundesheer, angerufen und nachgefragt wurde. Dass er „schon am Pranger stand“. Das Labor kennt keine Namen, nur Nummern, es verständigt per Fax WADA, ÖADC (Österreichs Anti Doping Comité) und IAAF (internationalen LA-Verband), von wo aus wiederum nur der ÖLV Bescheid bekam. Mayer behält sich rechtliche Schritte vor. Heuer im August hatte er Gold bei der Universiade gewonnen. Die Quali für die WM verpasste er, das Olympia-Limit für Peking 2008 ist genauso schwer (62,50 m). Mayers Bestmarke lautet 62,85 Meter, datiert aus dem Jahr 2005. Trainer Högler: „Wir haben zwei Wochen versäumt. Weihnachten wird kurz, die Silvesterfeier auch. Ärmel rauf und trainieren.“ Dass die positive A-Probe, die nicht Mayer gehört, einem anderen Sportler gehören muss, will Gmeiner nicht kommentieren. Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass sich, nach genauer Kontrolle diverser Nummern und Etiketten, nun die richtige B-Probe zuordnen lässt. Der betroffene Sportler könnte aus jeder beliebigen Sportart sowie aus dem In- und aus dem Ausland kommen. Jedenfalls hat der ÖLV keine weitere Verständigung erhalten. „Das“, sagt ÖLV-Generalsekretär Roland Gusenbauer, „kann ich schon im Hinblick auf den Weihnachtsfrieden bestätigen.“ (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 20.12. 2007)