Der Grenzdienst hat ein Ende: ab heute werden Soldaten die Polizei lediglich begleiten. Sie dürfen niemanden mehr aufhalten oder Ausweise verlangen.

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Premierminister der Slowakei Robert Fico und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer beim Durchsägen eines symbolischen Grenzbalkens am Grenzuebergang Berg/Petrzalka.

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Stoßen an auf offene Grenzen: Premierminister der Slowakei Robert Fico, Praesident der Slowakei Ivan Gasparovic, Bürgermeister von Schengen Roger Weber und Österreichs Kanzler Gusenbauer (von links).

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Berg/Petrzalka - Frostig war die Stimmung lediglich aus meteorologischer Sicht. Der Festakt geriet höchst warmherzig: Um 11.25 Uhr durchsägten Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und der slowakische Regierungschef Robert Fico (Smer) am Übergang Berg/Petrzalka zu den Klängen der Europa-Hymne einen symbolisch errichteten Grenzbalken. Der Erweiterung des Schengen-Raumes von der österreichisch-slowakischen Grenze zu jener zwischen der Slowakei und der Ukraine, die um Mitternacht erfolgt, stand daher nichts mehr im Wege.

Es sei das große Privileg "unserer Generation", dass sie nicht Krieg und Zerstörung erleben müsse, sondern "am Aufbau eines prosperierenden Europas" mitarbeiten dürfe, sagte Gusenbauer bei der feierlichen Zeremonie, an der auch der slowakische Präsident Ivan Gasparovic und der Bürgermeister von Schengen, Roger Weber, teilnahmen. Wer sich die wechselvolle jüngere Geschichte Europas mit zwei Weltkriegen und der darauf gefolgten Trennung durch den Eisernen Vorhang vor Augen halte, bekomme eine "Vorstellung von der Bedeutung des heutigen Tages", so der Bundeskanzler.

4000 Kilometer ohne Kontrolle

Fico meinte, es sei faszinierend, dass man nun vom "estnischen Tallinn über 4000 Kilometer bis ins portugiesische Lissabon fahren kann, ohne angehalten und kontrolliert zu werden."

Die slowakische Regierung sei sich aber bewusst, welche Verantwortung sie nun übernehme, meinte Fico. "Nicht für die Slowakei, sondern für die ganze EU. Die Absicherung der neuen EU-Außengrenze zur Ukraine ist eine sehr wichtige Aufgabe." Gusenbauer sagte: "Schengen ist nicht Kriminalität, nicht Unsicherheit, nicht Angst. Schengen steht für Frieden, Sicherheit und Stabilität". Für die Sicherheit der Bürger werde durch die Kooperation der Polizei gesorgt.

"Europa wächst zusammen"

Präsident Gasparovic erinnerte in seiner Ansprache an die Zeiten des Eisernen Vorhangs, der lediglich während des Prager Frühlings 1968 ein wenig geöffnet worden sei. "Wir müssen daran arbeiten, dass sich diese Grenzen nie wieder aufbauen lassen." Davon überzeugt zeigte sich Gusenbauer: "In 20, 30 Jahren werden sich die Menschen fragen: Wo war hier einmal eine Grenze?", erklärte der Bundeskanzler, "Europa wächst zusammen, Österreich und die Slowakei wachsen zusammen. Und das ist gut so."

Die Feier fand auf der slowakischen Seite der Zollstation Berg-Petrzalka statt. Dort waren historische Grenzwärterhäuschen aufgebaut und ein Folklore-Trio sorgte auf ebensolchen Instrumenten ("Fujaras") für volkstümlich-musikalische Untermalung. Dazu verkündete ein von Europa-Sternen umkränztes Plakat auf Slowakisch die Frohbotschaft: "Zu Weihnachten ohne Grenze". Übrigens: Die Durchtrennung des Grenzbalken absolvierten Gusenbauer und Fico beinahe mühelos. Kein Wunder, war der Balken doch bereits im Voraus vorsorglich angesägt worden...

Am Abend wird der Bundeskanzler am Grenzübergang Nickelsdorf mit dem ungarischen Premier Ferenc Gyurcsany zusammentreffen. Die Grenzöffnungen finden in der Slowakei, in Slowenien, Tschechien, Ungarn, Polen, Estland, Lettland, Litauen und Malta für Land- und Seegrenzen am 21. Dezember 2007 und auf Flughäfen im März 2008 statt.(APA)