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Barbara Pichler

FOTO: APA / RUTH EHRMANN
Wien/Graz - Barbara Pichler wird neue Intendantin des Grazer Filmfestivals "Diagonale" und nach dem Festival 2008 Nachfolgerin von Birgit Flos, teilte die "Diagonale" am Donnerstag mit. Pichlers Vertrag läuft für drei Jahre. Oliver Testor bleibt als kaufmännischer Leiter des Festivals auch über 2009 hinaus im Amt. Pichler will die "Diagonale" als "Branchen- und Publikumsfestival gleichermaßen stärken" und sieht die "film- und kulturpolitische Bedeutung als zentrale Funktion". Die Generalversammlung der "Diagonale" hat mit sechs Bewerbern für die Intendanz Hearings abgehalten und sich dann einstimmig für Pichler entschieden.

Langjährige Erfahrungen

Die 39-jährige Barbara Pichler ist seit 1995 im Film- und Medienbereich als Kuratorin, Publizistin und Filmvermittlerin tätig. Bei der Diagonale war sie unter anderem für die Katalogredaktion zwischen 2004 und 2006 zuständig und betreute Filmreihen sowie Veranstaltungen.

Pichler, am 20. Mai 1968 in Tirol geboren, wuchs in Kärnten auf und lebt schon seit längerem in Wien. Sie studierte Theater- und Filmwissenschaft an der Universität Wien sowie Film and TV Studies am British Film Institute der University of London. Organisatorische Funktionen im Filmbereich hatte sie bereits beim Kino unter Sternen, EU XXL film, der Viennale im Filmcasino, dem Österreichischen Filmmuseum oder dem drehbuchFORUM inne und arbeitete zwischen 1999 und 2002 auch bei sixpackfilm mit.

Aber auch mit der Filmauswahl für Festivals hat Pichler Erfahrung. So saß sie 2003 bis 2004 in der Auswahlkommission des European Media Art Festival und 2006 bis 2007 in derjenigen der Duisburger Filmwoche. Auch der Wissenschaft ist Pichler erhalten geblieben. Seit 2006 ist sie externe Lektorin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien und Co-Herausgeberin der filmwissenschaftlichen Publikation "moving landscapes. Landschaft und Film" (Wien: Synema 2006) und der Monografie "James Benning" (Wien: FilmmuseumSynemaPublikationen 2007).

"Filmpolitik soll auf der Diagonale gemacht werden"

"Im Groben ist die Struktur der Diagonale in den vergangenen Jahren gleichgeblieben", sagt die designierte Intendantin Barbara Pichler in einer ersten Reaktion auf ihre Bestellung: "Diese ist tragfähig und sinnvoll, ich will kein völlig anderes Festival machen, sondern meine Intendanz in der Akzentsetzung definieren". Das Festival müsse verstärkt seine film- und kulturpolitische Position wahrnehmen und für die Branche nützen, so Pichler, der es vor allem auch um die verstärkte Präsenz der internationalen Filmschaffenden geht.

"Ich will möglichst viele internationale Gäste aus der Branche einladen, um der österreichischen Szene eine Plattform zu geben". Gleichzeitig wolle sie jedoch die Diagonale nicht zu einem Branchenfestival machen, das Festival solle für Publikum und Branche gleichermaßen zugänglich sein. Internationale Kontakte wolle sie in Form von Sonderprogrammen oder Konferenzen herstellen.

"Film- und Kulturpolitik sollen auf der Diagonale gemacht werden", betont Pichler. Teil ihres Bewerbungskonzeptes sei gewesen, ein Festival zu stärken, wo "man sich mehr oder weniger offiziell treffen kann", ein "Arbeitsfestival" also, wo sich "Gelegenheiten ergeben, Filme zu bewerben und eventuell Koproduktionen anzuleiern".

"Die Mainstream versus Experiment-Diskussion interessiert mich nicht, ich bin für ein breites Programm", so Pichler. Im Vergleich zu ihrer Vorgängerin Birgit Flos werde es naturgemäß, wie nach jedem Intendantenwechsel, Unterschiede in der Programmauswahl geben. Auch Pichler wird die Filme selbst aussuchen: "Es ist unwichtig, ob das eine Kommission macht oder eine Einzelperson, die etwas zur Disposition stellt. Im Endeffekt muss man für das Programm dann gerade stehen". Bei der Auswahl sei sie "nicht dafür, dass man im Sinne einer Basisdemokratie alles zeigt". Wenn zu viel Programm geboten werde, ohne in irgendeiner Form ausgewählt worden zu sein, "geht jeder Film unter in der Quantität".

Reaktionen von Oliver Testor und Birgit Flos

"Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit der neuen Indentantin", kommentierte Oliver Testor, der kaufmännische Leiter des Festivals, die Wahl Pichlers: "Im Moment sind wir alle gemeinsam mitten in den Vorbereitungen für 2008" - Pichler sei als Projektleiterin eines Festival-Schwerpunktes bereits "massiv eingebunden." "Ich gehe davon aus, dass es mit Barbara Pichler inhaltliche Kontinuität geben wird", so Testor. "Ich nehmen an, dass sie auf der Arbeit von Birgit Flos aufbauen und sie weiterführen wird." Testors eigener Vertrag ist unbefristet - während man mit der Neuausschreibung der Intendanz alle drei Jahre dem Festival von Zeit zu Zeit ein neues Profil verpassen wolle, sei damit Nachhaltigkeit in finanziellen Belangen gesichert.

"Sehr glücklich" über die Entscheidung für Barbara Pichler als ihre Nachfolgerin zeigte sich die aktuelle Diagonale-Intendantin Birgit Flos: "Sie ist die ideale Intendantin für die Diagonale". Pichler habe jahrelang sehr eng mit der Diagonale zusammengearbeitet und sei auch 2008 stark in die Gestaltung integriert. Flos selbst bezeichnete sich als großen Fan von Pichlers bisheriger Arbeit, beispielsweise ihrer Reihe "moving landscapes" im Österreichischen Filmmuseum.

Noch vor der Ausschreibung habe sie mit Pichler gerade auch für 2008 "ganz intensiv zusammengearbeitet", und mit ihr gemeinsam den Schwerpunkt Filmvermittlung für die kommende Diagonale erarbeitet. "Es geht uns darum, wie Filme auch als Lehrinhalt an Schulen verankert sind", so Flos, die sich wegen Pichlers Einbindung als Projektleiterin 2008 auch "keine bessere Übergabesituation vorstellen könnte." Die Diagonale brauche sowohl Kontinuität als auch neue Impulse, für beides sei Pichler ein Garant. Dass Flos sich selbst nicht mehr über 2008 hinaus für die Intendanz bewerben würde, sei bereits seit der Aufnahme ihrer Tätigkeit festgestanden. (APA)