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REUTERS/Toby Melville
Familienfeste haben etwas rührend Anachronistisches: Für ein paar Feiertage koppeln wir uns von unseren sonstigen Lebensgewohnheiten ab, und das sei gut so, lautet die verinnerlichte Weisheit. Muss der Blackberry beim Fest also draußen bleiben?

Die Wahrheit ist, dass wir unsere Gadgets lieben (ich unterstelle das jedenfalls Leserinnen und Lesern dieser Kolumne) - warum sollten sie dann vom 23. bis 27. Dezember verräumt werden? Zeit, sich ein paar Gedanken über digitale Umgangsformen zu den Feiertagen zu machen.

Benimm dich!

Zunächst gelten dieselben Höflichkeitsregeln wie auch sonst in Gesellschaft, vor allem: Handys lautlos stellen, Anrufe und eingehende SMS (ein beliebtes Feiertagshobby: Weihnachten und Neujahr werden die alljährlichen SMS-Rekorde verzeichnet) oder Mails nur entgegenzunehmen, wenn man damit nicht andere Gespräche unterbricht. Das gilt natürlich auch, wenn man selbst SMS oder Mails schreibt, am besten wohl indem man sich für kurze Zeit zurückzieht.

Benimm dich, digital!

Digiquette gibt es auch auf Gastgeberseite zu beachten. Dazu gehört, kein schlechtes Gewissen zu machen, wenn Gäste gelegentlich ihre Gadgets benutzen. Vielleicht gibt es längeren Besuch, dann zeugt es von Aufmerksamkeit, das drahtlose Netz daheim zur Nutzung für die Gäste zu öffnen - oder ein Notebook mit Internetanschluss bereitzustellen, das zur einfachen Benutzung für Freunde oder Verwandte eingerichtet ist.

Das gehört sich nicht

Apropos Online-Notebook: Große Feste im Freundes- und Familienkreis führen gelegentlich zu ungelösten Fragen und hitzigen Debatten; Google kann hier geradezu friedensstiftende Wirkung zeigen (die Kellner im Leupold, das für seine Stammgäste Notebooks bereithält, können dies bezeugen). Eigenartig jedoch, dass wir solche Hilfsmittel in familiärer Gesellschaft immer noch als unschicklich empfinden.

Auspacken und dann?

Und die Gadgets und Spiele, die unter dem Weihnachtsbaum liegen? Bei Kindern ist klar, dass ihnen deren sofortige Benutzung gestattet ist - wer das nicht aushält, sollte keine Spielekonsole oder Handy verschenken. Und wenn sich ein paar Erwachsene um das aus Frankreich importierte, entsperrte iPhone zusammenrotten, ist das doch auch eine Art, Freundschaft zu feiern. Frohe Weihnachten! (Helmut Spudich, Der Standard/Printausgabe vom 20.12.2007)