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Ein Polizeihund attackiert ein mutmaßliches Mungiki- Mitglied in Nairobi (Aufnahme vom 7. Juni 2007).

Foto: REUTERS/Antony Njuguna

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Razzia in Mathare, einem Slum in Nairobi, am 7. Juni 2007.

Foto: AP /Karel Prinsloo

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Bewohner von Mathare suchen unter Bewachung im Fluss nach Waffen.

Foto: REUTERS/Antony Njuguna

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Razzia vom 7. Juni 2007, in Mathare: Verdächtige Mungiki vor dem Abtransport.

Foto: REUTERS/Antony Njuguna

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Leichenhalle in Nairobi.

Foto: AP /Sayyid Azim

Wie eine Bombe schlug Ende November ein Bericht der Anwaltsorganisation Oscar Foundation im laufenden Wahlkampf ein: Kenias Polizei sei an der Ermordung von tausenden Menschen beteiligt, vielleicht sogar dafür verantwortlich, heißt es darin.

 

Bei einer Kampagne der kenianischen Polizei gegen die verbotene Mungiki-Gang sollen nach Angaben der Anwaltsorganisation seit 2002 mehr als 8.000 Menschen gefoltert oder getötet worden sein. Außerdem seien mehr als 4.000 junge Männer zwischen August 2002 und August 2007 spurlos verschwunden, so der Bericht der Oscar Foundation.

Tod durch Kopfschuss

Auch der Bericht der staatlichen Menschenrechtskommission hatte die Polizei beschuldigt, sie habe von Juni bis Oktober über 400 Männer ermordet. Die Polizei weist die Vorwürfe von sich, die Regierung schweigt.

Ein Racheakt wird hinter der Erschießung dieser Männer vermutet. Slums wurden abgeriegelt, hunderte Verdächtige von der Polizei abtransportiert. Unter den Toten sollen sich viele der damals Verschwundenen befinden. 454 fand man in Leichenschauhäusern wieder, andere landeten im Gebüsch oder unter Brücken. Fast allen Opfern ist gemein: sie waren junge Kikuyu - ein Profil, das auf die Mitglieder der Mungiki-Banden passt.

Mafiöse Machenschaften

Anfang der 1990er bildeten die Mungiki im Zentrum Kenias Milizen, um für die spirituelle Erneuerung und gegen Präsident Daniel Arap Moi zu kämpfen. In Nairobi entwickelten sie sich zu kriminellen Banden: Sie erpressen Schutzgelder oder vermieten Schläger an Politiker. Im Mai 2007 hatten sie in Nairobi ihre Schutzgeldforderungen an die Betreiber der privaten Minibusse erhöht. Diese weigerten sich zu zahlen, viele Fahrer wurden daraufhin umgebracht. Auch Polizisten wurden ermordet.

Razzia

Die Regierung hatte Anfang Juni angekündigt, mit aller Härte gegen die Mungiki-Sekte in Nairobis Slums vorzugehen. Sicherheitsminister John Michuki verlautbarte, dass Verdächtige im Zweifel erschossen würden. Einen solchen Schießbefehl gibt es schon seit längerem für gewöhnliche Gewaltverbrecher. Solche Befehle werden aber nicht selten für Abrechungen mit Konkurrenten im Verbrechermilieu missbraucht - viele der Sicherheitskräfte bis in die Chefetagen selbst sind von kriminellen Elementen unterwandert.

Und mit Sicherheit waren nicht alle der bislang Erschossenen Mitglieder der Mungiki, sondern Unschuldige und Unbequeme, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten haben.

Verstrickungen

Doch nicht nur ins Verbrechermilieu, auch in die Politikerränge sollen die Verbindungen der Mungiki reichen. Oppositionsführer Raila Odinga beschuldigt einige Minister, mit den Machenschaften der Mungiki verstrickt zu sein. Einer der Beschuldigten wiederum wirft Odinga vor, die Gruppe finanziell zu unterstützen. Diese gegenseitigen Vorwürfe seien der wahre Grund für die Polizeirazzien und Morde, sagen viele Slumbewohner Nairobis. Denn Tote sprechen nicht mehr. (hag, derStandard.at, 21.12.2007)