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Das Grabmal des kleinen Luca-Elias in Achenkirch: In seinem eineinhalbjährigen Leben wurde das Kleinkind körperlich schwer misshandelt und sexuell missbraucht.

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Graphik: DER STANDARD
Ein gerichtsmedizinisches Gutachten hat den Verdacht des sexuellen Missbrauchs im Fall Luca bestätigt. Ein DNA-Gutachten habe außerdem ein Prostatagen nachgewiesen, berichtete der Innsbrucker Anwalt der Kindesmutter, Albert Heiss, am Freitag.

Am 10. Dezember sei das Gutachten fertiggestellt worden, erklärte Heiss. Der Hauptverdächtige habe von Anfang an seine Aussage den Beweisergebnissen angeglichen. In seiner letzten Stellungnahme habe er versucht, die Mutter des Luca zu belasten. "Aufgrund des Gutachtens kommt meine Mandantin wohl nicht infrage", sagte Heiss. Der Strafrahmen beim Vorwurf des sexuellen Missbrauchs mit Todesfolge erstreckt sich von zehn Jahren bis lebenslänglich.

Ursachen nicht nachgegangen

"Das Einzige, was man meiner Mandantin vorzuwerfen kann, ist, dass sie den Ursachen der Verletzungen nicht weiter nachgegangen ist und ihre Erklärungen dafür gefunden hat", meinte Heiss. Die 22-jährige Mutter sei mit ihrem zweiten Kind Luca seit dessen dritten Lebensmonat häufig in ärztlicher Behandlung gewesen.

Nach einem Bruch von Elle und Speiche des Arms vor einigen Wochen, der nicht in Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall stehe, habe sich Luca so unauffällig verhalten, dass sie erst nach vier Tagen und auf Anraten der Eltern ihres hauptverdächtigen Lebensgefährten zum Arzt gegangen sei. Kindesvater Bernhard Haaser habe nie einen Cent Kindergeld für seinen Sohn Luca bezahlt und suche nun sehr die Aufmerksamkeit der Medien. Der Vater des 2003 geborenen ersten Kindes der 22-jährigen Tirolerin sei wegen Raubes verurteilt worden. "Meine Mandantin hat nicht das beste Händchen beim Auswählen ihrer Partner", fasste Heiss zusammen.

Seit März 2007 war die Tirolerin mit dem Montagetischler aus Wien-Schwechat zusammen. Sie hatten sich kennengelernt, als der Wiener eine Küche bei ihr in Achenkirch eingebaut hatte. Im Juli 2007 waren Lucas signifikante Verletzungen am Gesäß erstmals aufgetreten. Das Jugendamt hatte der Mutter daraufhin verboten, ohne Genehmigung zu ihrem Lebenspartner nach Schwechat zu fahren, hatte diese Bestimmung aber am 30. Oktober gelockert. Am 31. Oktober war die 22-Jährige mit ihren beiden Söhnen wieder bei ihrem Lebensgefährten. Am 3. November starb Luca im Wiener SMZ-Ost Spital an den Folgen eines Gehirnödems. Der Mann sitzt seither in Untersuchungshaft.

Rolle der Mutter hinterfragen

Eine genaue Untersuchung der Rolle von Lucas Mutter hat am Freitag Georg Zanger, Anwalt des Vaters des toten Kleinkindes, gefordert. Die Aussage des Rechtsvertreters der 22-Jährigen laut der seine Mandantin unschuldig sei, stimme nicht. Davon sei man weit entfernt, meinte Zanger zur APA. Ein Gutachten bestätige zwar den sexuellen Missbrauch durch einen Mann, die Mutter sei Zanger zufolge allerdings genauso wie ihr Lebensgefährte der Körperverletzung verdächtig.

Bei den Krankenhaus-Fotos von Lucas Misshandlungen im Juli sei von Missbrauch noch keine Rede gewesen, Anzeichen dafür seien nicht festgestellt worden. "Man muss ihre Rolle aufklären und zwar ganz genau", sagte Zanger. "Ich kann mir nicht vorstellen wie eine Mutter das nicht mitbekommt."

"Wir wissen jetzt ein Teilpuzzle sehr genau", so der Rechtsvertreter zu dem Ergebnis des am Freitag bekanntgewordenen Gutachtens, wonach Luca auch sexuell missbraucht worden war. Damit sei zunächst einmal der Verdacht gegen den Lebensgefährten der Mutter bestätigt. Wenn die DNA-Proben mit seinem Sperma überein stimmen, gebe es keine Diskussionen über seine Schuld. "Ich hoffe er wird reden, jetzt wo es feststeht", meinte Zanger.

Endgültiges Gutachten weiter ausständig

Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft Korneuburg ist das endgültige Gutachten im Fall Luca weiter ausständig und werde für Anfang 2008 erwartet. Mögliche einzelne Teilergebnisse würden aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens derzeit nicht kommentiert, sagte der Staatsanwaltschafts-Sprecher Friedrich Köhl. Im Fall Luca waren auch Anzeigen gegen die Jugendwohlfahrten Mödling und Schwaz eingegangen. In diesem Zusammenhang werden ebenfalls noch Ermittlungen geführt, erläuterte Köhl. Auch hier werden konkrete Erkenntnisse hinsichtlich einer möglichen Anklageerhebung für Anfang 2008 erwartet. (APA)