London - Wegen der irrtümlichen Erschießung eines Brasilianers im Rahmen einer Terrorfahndung wird kein britischer Polizist disziplinarisch belangt. Eine unabhängige Beschwerdekommission der Polizeiaufsicht beschloss am Freitag in London, vier für den Einsatz verantwortliche Polizisten nicht zu bestrafen. Elf weitere Beamte waren bereits zuvor entlastet worden.

Der 27-jährige Charles de Menezes wurde Ende Juli 2005 in einer Londoner U-Bahn-Station von Polizisten aus kurzer Distanz mit sieben Schüssen in den Kopf getötet. Ein Geschworenengericht hatte die Londoner Polizei im November der Tötung des Brasilianers für schuldig befunden und zur Zahlung von knapp 800.000 Euro Strafe verurteilt. Mit dem Schuldspruch wurden jedoch keine einzelnen Polizeibeamten belastet, das Gericht sprach von einem Kollektivversagen.

Die Polizei hatte behauptet, de Menezes habe anscheinend zu fliehen versucht. Der Brasilianer wurde inmitten einer großen Fahndungsaktion einen Tag nach einer gescheiterten Anschlagsserie erschossen. Zwei Wochen zuvor hatten vier Selbstmordattentäter bei Anschlägen auf drei U-Bahn-Züge und einen Bus 52 Menschen getötet und hunderte verletzt. (APA/AP)