Die US-Börsen gehen mit leichten Abschlägen aus der Handelswoche. Aufgrund des Verfallstages von Optionen am Freitag (dreifacher Hexensabbat) sowie des nahenden Jahreswechsels waren die Umsätze gering. Die neuerlichen akkordierten Liquiditätsspritzen zur Versorgung der Geldmärkte hatten durchaus ambivalente Folgen und sorgten im Endeffekt für weitere Verunsicherung. Die gemeldeten Konjunkturdaten fielen überwiegend schwächer als erwartet aus. Die Wohnbaubeginne zeigten einen saisonbereinigten Rückgang auf 1,18 Millionen Baubeginne, der bereits nach unten revidierte Vormonatswert wurde somit verfehlt. Das Arbeitsministerium meldete einen deutlichen Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, auch die Frühindikatoren enttäuschten.

Im Blickpunkt standen die Quartalszahlen der Investmentbanken: Goldman Sachs konnte die niedrigen Erwartungen zwar übertreffen und einen um 2% höheren Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal verbuchen, der Ausblick für das laufende Quartal enttäuschte jedoch. Morgan Stanley präsentierte den ersten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte. Aufgrund von Abschreibungen in Höhe von USD 9,4 Mrd. schlitterte man im Q4 in die roten Zahlen, je Aktie lag das Ergebnis bei einem Minus von USD 3,61, nachdem im Vorjahreszeitraum ein EPS von USD 1,87 berichtet wurde.

Der chinesische Staatsfonds CIC nutze indes die Gunst der Stunde und versorgt Morgan Stanley mit einer Kapitalspritze von rund USD 5 Mrd. Im Gegenzug erhält man knapp 9,9% der Aktien per Wandlungsrecht bis 2010. Bear Stearns enttäuschte ebenfalls und meldete den ersten Quartalsverlust in der 84-jährigen Firmengeschichte. Die Wertberichtigungen im Hypothekenportfolio beliefen sich auf USD 1,9 Mrd., nachdem man ursprünglich USD 1,2 Mrd. prognostiziert hatte.

Im Technologiesektor strahlte Oracle. Der Softwarekonzern konnte den Umsatz um 28% und den Nettogewinn um 35% auf USD 1,3 Mrd. steigern. Analysten reagierten mit deutlichen Kurszielanhebungen. Das IPO von Netsuite, einem Unternehmen aus dem Firmenimperium von Oracle-Gründer Larry Ellison, verlief erfolgreich. Nachdem die Preisspanne im Vorfeld deutlich erhöht wurde, haussierte die Aktie am ersten Handelstag 36%. Handheld-Hersteller Palm musste für das zweite Quartal einen Verlust ausweisen und enttäuschte außerdem beim Ausblick. Adobe Systems legte Quartalszahlen über den Erwartungen, zudem wurde das Aktienrückkaufprogramm aufgestockt. Nike legte starkes Zahlenwerk, insbesondere das internationale Geschäft in Asien und Europa entwickelte sich deutlich besser als erwartet.

Die Erlöse stiegen um 14% auf USD 4,3 Mrd., der Gewinn kletterte 10% auf USD 360 Mio. FedEx musste im Q2 einen Gewinnrückgang verbuchen. Insbesondere die stark gestiegenen Treibstoffkosten belasteten, wurden jedoch vom internationalen Wachstum überkompensiert. Der Maschinenbaukonzern Ingersoll-Rand meldete indes die Übernahme von Trane, einem Hersteller von Klimaanlagen, für insgesamt USD 10 Mrd. In der nächsten Handelswoche erwarten wir uns kaum nennenswerte Kursbewegungen. Aus technischer Sicht scheint eine Jahresanfangsrallye wahrscheinlich, mittelfristig dürften die negativen Impulse jedoch weiter überwiegen.