Wien - Der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker tritt für einen verpflichtenden Ethikunterricht in der Schule ein. Dieser solle für jene gelten, die keinen Religionsunterricht besuchen. "Wenn sich jemand vom Religionsunterricht abmeldet, ist dieses Recht zu respektieren. Aber es braucht einen Ersatz dafür", sagte er im Interview mit der APA. Bünker tritt am 1. Jänner sein Amt als Bischof an, er ist Nachfolger von Herwig Sturm, der nach zwölf Jahren in den Ruhestand geht.

"Kein Schüler soll ohne eine Bildung in diesem ethisch-religiös-sittlichen Bereich aus der Schule kommen. Das ist, glaube ich, die öffentliche Schule dem jungen Menschen schuldig", so Bünker weiter. Der Bischof zeigt auch Verständnis für jene, die sich abgemeldet haben. Immerhin sei die Religionsfreiheit eines der höchsten Menschenrechte. Zuletzt hat auch die ÖVP gefordert, einen Ethik-Unterricht für Bekenntnislose einzurichten.

Lob gibt es für die österreichische Variante des Unterrichts: "Ich bin der Meinung, unsere ist sehr gut, weil sie ihre Kirchen und Religionsgemeinschaften verpflichtet selbst zu erklären, was deren Grundlagen sind." Auch den Muslimen habe es gut getan, die eigenen Lehrpläne noch einmal zu überdenken. "Das ist ganz hilfreich für die Integration von Religionen. Sonst geschieht das im Keller, in der Garage, im Hinterhof", so Bünker.

Jeder Bischof politisch

Bünker gilt als politischer Geistlicher, eine Bezeichnung, mit der er kein Problem hat. "Jeder Bischof ist politisch. Auch die Bischöfe, die zu Problemen der Gesellschaft schweigen, nehmen dadurch politisch Stellung. In gesellschaftlichen Fragen, die sich auftun, kann die Kirche nicht schweigen." So etwa zum Fall Arigona Zogaj und der dadurch entflammten Asyldebatte. "Eine Familie bedeutet einem christlich geprägten Land wie Österreich - wenn es darauf ankommt - nichts", kritisiert der designierte Bischof. "Das ist eigentlich unerträglich."

NS-Vergangenheit aufarbeiten

Auch die Rolle der evangelischen Kirche in der NS-Zeit verdrängt Bünker nicht. "Was man mit einigem Schrecken feststellt ist, dass offensichtlich 60 Jahre noch nicht genug sind, um wirklich hier auch mit dem notwendigen Abstand und doch der notwendigen Betroffenheit sich diesen Fragen zu stellen", meint er. Dies hänge auch damit zusammen, dass es sehr viele evangelische Familien betreffe. Er plädiert für Schonungslosigkeit, was die Aufarbeitung betrifft, obwohl die Kirche bereits entscheidende Schritte getan habe.

Hinsichtlich der Debatte um die zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten, zeigt sich Bünker solidarisch mit der slowenischen Minderheit. Hier seien Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes umzusetzen: "Man kann nicht weiter schweigen". (APA)