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Josef Hickersberger hat nüchterne Erinnerungen an die WM 78.

Foto:APA/Pfarrhofer
Wien - Österreichs Fußball-Teamchef Josef Hickersberger darf sich auf die wohl letzten ruhigen Tage in den kommenden Monaten freuen. Nach dem Weihnachtsfest im Kreise der Familie geht es Anfang Jänner noch einmal ein paar Tage in die Karibik, ehe die Planungen für die EM-Vorbereitung finalisiert werden und sich der 59-Jährige mit dem ersten Länderspiel des Jahres am 6. Februar gegen EM-Gruppen-Gegner Deutschland beschäftigt.

Mit der APA sprach Hickersberger über seine Weihnachtswünsche, die bevorstehende Partie gegen den großen Nachbarn und die Entmystifizierung von Cordoba.

Wie sehen die Weihnachtswünsche des Josef Hickersberger aus?

Hickersberger: "Mein größter Wunsch ist, dass alle Österreicher die EM als großes Geschenk nicht nur für den Fußball, sondern auch für das ganze Land begreifen und auch bereit sind, dieses Geschenk anzunehmen. Ich wünsche mir, dass alle Österreicher dieses Fest mitfeiern und versuchen, das Bild von Österreich bei den Fußball-Anhängern, die zu uns als Gäste kommen, noch positiver zu zeichnen. Was die Spieler betrifft, wünsche ich mir, dass die Teamspieler gesund und fit bleiben und dass sie im letzten knappen halben Jahr alles tun, um sich optimal auf dieses Ereignis vorbereiten. Jeder muss wissen, dass er noch nie drei solche Spiele innerhalb kürzester Zeit von dieser Bedeutung gegen so starke Gegner mit diesem Medieninteresse bestritten hat und so etwas auch nie wieder passieren wird."

Glaube Sie an Weihnachtswunder?

Hickersberger: "Nein, aber ich glaube daran, dass es bei der EM die eine oder andere Überraschung geben wird. Ich hoffe, dass Österreich schon in der Gruppenphase für eine große Sensation sorgen kann. Das wäre schon etwas Besonderes, weil alle drei Gegner von der Klasse über uns zu stellen sind. Wir sind der größte Außenseiter.

Wo sehen Sie sich zu Weihnachten 2008 in beruflicher Hinsicht?

Hickersberger: "Mein Vertrag läuft bis 31. 12. 2008, aber sowohl dem ÖFB als auch mir ist klar, dass es keinen Sinn macht, dass ein Teamchef eine WM-Qualifikation beginnt und mittendrin ohne triftigen Grund aufhört oder abgelöst wird. Entweder man geht mit einem neuen Teamchef in die WM-Quali oder der Teamchef Hickersberger macht auch die WM-Quali. Die zweite Möglichkeit ist denkbar, aber von meiner Seite aus nicht unbedingt ein Weihnachtswunsch."

Warum haben Sie einen Vertrag mit einem für Teamchefs unüblichen Zeitrahmen unterschrieben?

Hickersberger: "Ich habe einen Dreijahresvertrag verlangt. Ich war nicht bereit, für eine kürzere Dauer zu unterschreiben."

Anderes Thema: Fühlen Sie sich bei der Wahl des 38-jährigen Ivica Vastic zum 'Fußballer des Jahres' nicht eher an den 1. April als an Weihnachten erinnert?

Hickersberger: "Keineswegs. Auch ich wäre als Vereinstrainer auf den Namen Ivica Vastic gekommen, weil er mit dem LASK überrascht hat und sehr torgefährlich war. Er hat sich diese Wahl verdient. Aber wenn ein 38-Jähriger 'Fußballer des Jahres' wird, ist das keine besondere Auszeichnung für seine Konkurrenten. Auch für österreichische Teamspieler ist es nicht sehr vorteilhaft, wenn Vastic nach zwei Saisonen in der zweithöchsten Liga im Sommer aufsteigt und diese Wahl gewinnt. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Teamspieler in der österreichischen Liga keine außergewöhnlichen Leistungen gebracht haben."

Hat diese Wahl irgendwelche Auswirkungen auf Ihre Überlegungen, Vastic eventuell wieder ins Team zu holen?

Hickersberger: "Diese Wahl spielt dabei keine Rolle, sonst müsste ich mir auch die Teams der Runde in den Zeitungen fotokopieren, aufheben und zurate ziehen. Es wird von seinen Leistungen im Frühjahr abhängen, ob er noch einmal der Super-Spieler beim LASK ist und wie seine Konkurrenten auf dieser Position - hängende Spitze - in Form sind."

Wie glauben Sie wird diese Wahl im Ausland bewertet?

Hickersberger: "Das wird genauso registriert wie die Resultate der Nationalmannschaft im Jahr 2007, aber auch wie die österreichischen Vereine im Europacup abgeschnitten haben. Da wird dann eben der Schluss gezogen, dass der österreichische Fußball im Moment schwach ist.

Und wie beurteilen Sie die freudigen Reaktionen in Deutschland nach der EM-Gruppenauslosung?

Hickersberger: "Ich war sechs Jahre als Spieler und fast ein Jahr als Trainer in der deutschen Bundesliga tätig. Ich kenne die deutschen Medien und es hat mich nicht überrascht, dass die Bild-Zeitung tituliert: 'Wir haben ein Freilos bis ins Finale' - auch wenn es leicht übertrieben ist. Man muss ganz ehrlich zugeben: Wir haben gegen Deutschland zuletzt 1986 und davor 1978 gewonnen, also alle heiligen Zeiten. Jetzt wäre es 30 Jahre nach Cordoba aber an der Zeit, dass wir mit diesen ewigen Erinnerungen an dieses Kaff in Argentinien endlich aufhören."

Stört Sie das ständige Beschwören des Cordoba-Geists?

Hickersberger: "Es hat in Cordoba keinen besonderen Geist gegeben. Es hat eine Mannschaft gegeben, in der mehrere Legionäre vorhanden waren, die schon im Ausland bei ganz guten Vereinen gespielt haben, und es hat Jahrhundert-Talente wie Prohaska, Krankl, Pezzey oder Schachner gegeben. Die zusammen haben eine sehr gute Mannschaft gebildet. Was aufgrund dieses Sieges gegen Deutschland immer vergessen wurde ist, dass dieses Team mehr hätte erreichen können. Das haben viele, die damals dabei waren, nach dem Sieg gegen Deutschland vielleicht gar nicht richtig realisiert. Aber mit dem nötigen Abstand muss man sagen: Diese Mannschaft hätte sich gegen die Niederlande (Anm.: 1:5) taktisch viel klüger verhalten müssen und nicht in solche Konter laufen dürfen. Da war noch mehr drin, und das ist eigentlich das, was mir von den Erinnerungen an diese WM geblieben ist." (APA)