Im Gegensatz zu manchen Promis tun sie es auch abseits der Kamera mit liebevoller Hingabe - für oft einsame Anrufer.

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Wien - Für Michael Cerny ist es ein besonderes Weihnachten: Das Christkind wartet an diesem 24. Dezember im ORF. Zwischen 13 und 17 Uhr sitzt der Hirtenberger Justizwachebeamte heute, Montag, am Spendentelefon am Küniglberg, um für die Aktion "Licht ins Dunkel" Geld zu sammeln. Für ihn geht ein Wunsch in Erfüllung: "Seit es die Aktion gibt, spende ich. Aber auf Dauer war mir das zu wenig. Ich will mehr helfen."

Cerny wacht seit 25 Jahren über Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Hirtenberg. Drogen-, Einbruch-, Diebstahl-, Raubdelikte, sie alle kommen zu ihm und bleiben mitunter bis zu zehn Jahren.

"Nur helfen"

Nicht zu vergessen die Wiederholungstäter: "Manche fühlen sich richtig wohl im ,Häfn'." Cerny sieht sich eher als Sozialarbeiter denn als Vollzugsorgan: "Inhaftierte sind eigentlich auch nicht fähig, alleine zu leben." Der Promiaufmarsch lässt Cerny kalt. "Die interessieren mich nicht. Ich möchte helfen."

Wie das so ist mit dem Helfen am 24. Dezember könnte ihm Werner Rüdrich erzählen. Seit 35 Jahren gibt es "Licht ins Dunkel", der gebürtige Berliner ist bereits das vierte Mal dabei: "Irgendwie wollte ich das schon immer. Vor vier Jahren traute ich mich dann das erste Mal." Rüdrich rief an, und wurde vom Fleck weg engagiert. "Ich bin kein Heilig-Abend-Fan, weiß aber, wie viele Menschen an diesem Tag einsam und verlassen sind und am Telefon liebe Worte hören möchten. Man hat mich genommen und es war mein schönstes Weihnachten."

Rüdrich macht mehr als nur Telefondienst: "Viele Anrufer sind traurig und einsam, manche weinen sogar. Ich rede mit ihnen." Der 72-Jährige stammt aus Berlin, arbeitete an der Deutschen Oper als Buchbinder, war für das gesamte Notenmaterial verantwortlich. 1988 blieb er mit dem Arm in der Druckerpresse hängen. Die Verletzung bescherte ihm die Frühpension und ein starkes Bedürfnis, alles hinter sich zu lassen. "Ich wollte einfach weg." So kam er 1990 nach Österreich, genauer nach Baden, fährt regelmäßig in die Bundeshauptstadt: "Ich bin verliebt in Wien." Zwischen fünf- und neunhundert Telefonate bewältigt Rüdrich an einem Abend. Ist er danach todmüde? "Ach nein, ich bin manchmal nicht mal heiser. Ich trinke viel Kaffee, das hält mich mobil." Von zehn bis 18 Uhr sitzt er, früher blieb er sogar bis 22 Uhr.

Doch nicht alle haben noble Motive: "Da war eine Frau mit einer barschen Stimme, die sagte: Haben Sie nichts für Tiere über? Die müssen verhungern, spenden Sie dafür Geld! Ich sagte: ,Sie sind falsch verbunden, hier geht es um Kinder.' Sie: 'Die kriegen doch so schon genug vom Staat!' Ich sagte: ,Ich muss aufhören, da kommt der nächste Anruf rein.'" "Licht ins Dunkel" lebt aber auch von einschlägigen Promis, die sich regelmäßig ans Spendentelefon setzen, um sich im Scheinwerferlicht zu zeigen.

Arrogante Promis

Rüdrich bestätigt: "Manche kommen nur, damit man sie im Fernsehen sieht." Namen nennt er keine, aber: "Einige sind schon sehr arrogant und überheblich", rückt Rüdrich das Bild von wohltätigen bekannten Gesichtern etwas gerade: "Sobald die Kamera abgeschaltet ist, beginnt die Massenflucht." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 24./25./26.12.2007)