Der Usability Engineer Arjan Geven geht auf Nutzerbedürfnisse ein.

Foto: CURE

Die Atmosphäre im alten Beobachtungsraum erinnert mit dem halbtransparenten Spiegel eher an ein Kommissariat bei der Gegenüberstellung, als an einen Raum, in dem man offen seine Befindlichkeit mit einer technischen Anwendung wiedergibt. In der krimigeschulten Vorstellung schüttelt der fiese Software-Entwickler auf der anderen Seite nur den Kopf über den blöden User.

So laufen Usability Tests natürlich nicht ab, beruhigt Arjan Geven vom Center for Usability Research & Engineering (CURE) in Wien. Vielmehr sitzen Tester und Forscher heutzutage nebeneinander und werden gemeinsam aufgezeichnet. Seine Hauptaufgabe sieht Arjan Geven im Übersetzen zwischen den Ansprüchen von Technikern und den Bedürfnissen von Anwendern. Dazu muss er von beiden Perspektiven eine Ahnung haben und einen "sehr diplomatischen Job" machen. Usability steht neudeutsch für Anwenderforschung und stellt den Nutzer ins Zentrum, der neue Technologien kaufen soll und dann auch bedienen will.

Der gebürtige Eindhovener belegte an der Technischen Uni seiner holländischen Heimatstadt den Studiengang "Technologie und Gesellschaft" und spezialisierte sich auf EDV/IT und Psychologie. Die Erwartung an den brandneuen DVD- Recorder ist aus Use-Sicht einfach: aufnehmen und abspielen, beides zu seiner Zeit. Wenn das Mittel zur Zielerreichung sich in das Haupthindernis verwandelt, ist Frust angesagt. Wer aber das Ziel kennt, kann den Weg dorthin kundenfreundlicher gestalten.

Das aktuelle Forschungsprojekt des 26-Jährigen heißt "Laboranova", das neue Arbeiten, und wird im 6. EU-Rahmenprogramm finanziert. Darin werden mögliche Module einer innovationsunterstützenden Software entwickelt. Das "Office Paket für Kreative" soll drei Dinge ermöglichen: kreative, nicht-lineare Denkprozesse, das Arbeiten in Teams an verstreuten Orten mittels Social Networking und die Abstimmung über Ideen, wie an der Börse. Rund 20 Projektpartner, unter anderem in Deutschland, Spanien, Italien und Dänemark arbeiten daran. An Testfirmen wie SAP, Fiat und Danfoss schärft Arjan Geven die Benutzeranforderungen. Die Kernfrage lautet vereinfacht: Wie hätten Sie es denn gern? Da das Programm aber zeitgleich entwickelt wird, muss er den Befragten "helfen, sich hineinzuversetzen" - zum Beispiel mit auf Papier gezeichneten Prototypen.

Arjan Geven findet neue Technologien interessant, wollte aber nie Physik oder Informatik studieren. "Ich habe etwas gesucht, was Technologie und soziale Aspekte verbindet. Ich will wissen, was die Leute bewegt, wie sie mit Technologie umgehen und wie ich es ihnen erleichtern kann", beschreibt er seine Motivation. Ab Jänner 2008 arbeitet er an einem Projekt für ältere Benutzer, in dem ein Handy mit gedächtnisunterstützender Software über Spracherkennung ausgestattet wird. Auch hier wird er versuchen, die Testsituation so normal wie möglich zu gestalten. Um sich in die Zielgruppe einzufühlen, wird er sich auf Basis von Literatur ausführlich mit den Benutzern unterhalten - "das macht Spaß". Mobiltelefone sollten ohnehin nicht nur Studenten unter 30 testen, "damit auch etwas schiefgehen kann".

In seiner Freizeit liest der Usability Engineer gerne und fotografiert digital. Auch mit Standardtänzen hat er in Wien angefangen, aber momentan fehlt die Zeit dafür. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. - 26. 12. 2007)