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Afrikas Großlandschaften sind Heimat für viele Tierarten. Einige davon zeigt eine "virtuelle Safari" in Form einer Ansichtssache.

Grafik: DER STANDARD

Klar ist es schon vorgekommen, dass ein Löwe hier in der Nacht herumspaziert ist, sagt Tjani. Deshalb hat die resolute Chefin des Busanga Bush Camps auch angeordnet, dass nach dem Abendessen die zwanzig Meter zum eigenen Zelt-Appartement in Begleitung zurückgelegt werden müssen. Weil man weiß ja nie.

Gute Aussichten für die erste Nachtruhe mitten in der Wildnis des Kafue-Nationalparks. Oder genauer: mitten im Revier eines zwölfköpfigen Löwenrudels, wie Tjani ergänzt. Da tut man sich zumindest in der ersten Nacht schwer, die ganzen zivilisatorischen Annehmlichkeiten des luxuriösen Lagers - inklusive heißer Dusche und Daunenkissen - zu genießen.

Zwar lassen sich die Löwen in dieser Nacht im Camp dann doch nicht blicken. Hören kann man sie allerdings schon, ziemlich in der Nähe und ziemlich laut. Und nach etwas unruhigen Träumen ist man dann doch froh, die Gazellen im Morgengrauen friedlich ein paar Dutzend Meter vor dem Camp grasen zu sehen, gerade so, als ob nichts geschehen wäre. Wahrscheinlich ist die Herde nächtens um eines der scheuen hellbraunen Tiere kleiner geworden.

Viel unmittelbarer als im Busanga Bush Camp kann man die Natur im südlichen Afrika kaum erleben. Und viel bequemer und zugleich abgelegener auch nicht: Das Camp liegt - so wie seine noch luxuriöseren Schwester-Lodges - im Nordwesten des Kafue-Nationalparks, Sambias größtem Naturschutzgebiet. Auf einer Fläche, die größer ist als Niederösterreich, gibt es bis auf das Personal der wenigen Camps und ein paar Dutzend Touristen keine Menschenseele.

Die Exklusivität wissen auch betuchte Tierfans zu schätzen: Vor ein paar Monaten mietete sich die Familie von Paul Allen im luxuriösen Shumba Camp ein paar Kilometer weiter eine Zeitlang ein. (Allen ist derjenige, der mit Bill Gates Microsoft gründete und zu den reicheren Menschen des Planeten gehört.)

Je weniger Menschen, desto mehr Tiere: Neben Löwen zum Beispiel auch Ge- und Leoparden, jede Menge Gazellen und Antilopen, rudelweise Warzenschweine, Gnus und Zebras, hunderte verschiedene Vogelarten, Elefanten und Nilpferde im Überfluss.

Um diese Tiere in natura zu betrachten, wird man dann zweimal täglich im offenen Landrover in der erstaunlich vielfältigen Landschaft herumkutschiert. Weite grasbewachsene Flächen wechseln sich mit Buschland, Wäldern und kleinen Wasserstellen ab - die Heimat einer üppigen Fauna, die sich dem menschlichen Betrachter im Normalfall von ihrer schläfrigen Seite zeigt: Die Antilopen fressen und schauen, die Nilpferde schauen und gähnen. Und die Löwen? "20 von 24 Stunden tun die nichts", sagt Mike, der den Landrover lenkt und nebenbei ohne Fernglas Tiere sieht, die dem ungeschulten Touristenauge selbst mit Teleobjektiv nicht auffallen. Außer vielleicht die beiden Geparden, die sich ein paar Meter neben der Piste in den Schatten eines Strauchs gelegt haben. Angeblich sind die ja die schnellsten Landbewohner der Erde. Das Brüderpaar zeigt sich aber von seiner trägen Seite: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von geschätzten drei Kilometern pro Stunde trotten die beiden edlen Katzen mit dem traurigen Gesicht ein paar Meter weiter. Um sich an anderer Stelle faul ins Gras sinken zu lassen.

Die Löwen, denen das Fahrzeug ebenfalls herzlich egal ist, verhalten und bewegen sich im Übrigen genau so wie Hauskatzen. Aber halt im Maßstab eins zu zehn, was schon einen Unterschied macht - weil wenn das Miau eines Stubentigers dem Quietschen einer rostigen Radkette ähnelt, dann klingt ein Löwe eben wie eine Harley Davidson.

Das schafft dann doch wieder etwas Respekt vor den Tieren, die da ein paar Meter vor dem Wagen angespeist am Boden liegen, ein bisschen herumspielen, ab und zu einen fahren lassen. "Man soll sich nicht täuschen lassen", sagt Mike. "Jetzt aus dem Wagen auszusteigen kann ernsthaft die Gesundheit gefährden."

Noch gefährlicher als Löwen sind für den Menschen aber Flusspferde, was man den Kolossen auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde. Die Pflanzenfresser, die tagsüber im Wasser plantschen und sich nachts hinaus auf ihre ausgedehnten Fresswanderungen begeben, bringen in Afrika mehr Zweibeiner um als jedes andere Tier. Deshalb macht das Boot bei der Fluss-Safari im Kafue River weite Bögen um die Fettwänste mit ihren bis zu 50 Zentimeter langen Hauern. Auf dem Trockenen ist Weglaufen übrigens eher sinnlos: Diese Walzen auf Beinen sind schneller als jeder Sprinter.

Um sich von all den theoretischen Gefahren zu erholen, gibt es nach fünf Tagen und Nächten in der Luxus-Wildnis als Abschluss noch einen Tag im postkolonialen River Club direkt am Ufer des Sambesi, ein paar Kilometer vonder Stadt Livingston und den Victoriafällen entfernt. Und noch eine allerletzte Bootsfahrt bei Sonnenuntergang auf dem Fluss. Und dabei schickt sich nach all den Flusspferden und Krokodilen doch tatsächlich eine kleine Elefantenfamilie an, durch den mächtigen Fluss auf eine Insel zu schwimmen. Mittendrin ein kleiner Dumbo, der von den Großen vor den Krokodilen bewacht wird. So etwas vergisst man dann doch nicht so schnell.

Ebenso wenig wie die Geräusche jenes Hippos, der in der Nacht aus dem Sambesi stieg und ausgerechnet unter meinem auf Holzpfählen stehenden Pracht-Chalet seine nächtliche Jause abhielt.

Dann schon lieber Löwengebrüll. (Klaus Taschwer/DER STANDARD/RONDO/28.12.2007)