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Sabine Ladstätter, Leiterin der österreichischen Grabungsstätte in Ephesos.

Foto: APA/H. SCHWAIGER
Wien/Ephesos - Es war gut. Es soll weitergeführt werden. Es soll aber auch anders werden.

So nehmen die Querelen um die Führung der Grabungen im türkischen Ephesos vorerst ein glimpfliches Ende. Die Kärntner Archäologin Sabine Ladstätter (39) ist nun designierte Leiterin - Anfang Dezember wurde sie von Wissenschaftsminister Hahn vorgeschlagen, die Bestätigung durch den türkischen Kulturminister steht noch aus.

Ladstätter tritt ein reiches und kein leichtes Erbe an. Ephesos ist einer der Prestige-Orte in der weltweiten archäologischen Gemeinschaft. Ende des 19. Jahrhunderts sicherte sich die österreichisch-ungarische Monarchie im damaligen Wettstreit der Mächte - übrigens auf Anraten des Troja-Entdeckers Schliemann - die Quadratkilometer an der kleinasiatischen Westküste, die immer mehr Schätze freigaben. In den letzten zehn Jahren leitete Friedrich Krinzinger, Archäologe an der Uni Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Grabungsstätte. Er verstärkte die Konservierung der Fundstücke und im Besonderen den Schutz der neu ausgegrabenen römischen Luxusvillen, der "Hanghäuser".

Für die dazu benötigten Konstruktionen aus Spezialfolien und Stahlmasten wurden vom Wissenschaftsministerium (damals unter Einem) weniger Millionen Schilling zugesichert als veranschlagt (ca. 4,5 statt fünf Millionen Euro). Unter Gehrer wurde der Rest nicht ausbezahlt. Zudem fielen Sponsorengelder aus. Kurz: Eine Mischung aus "Kabale" (Krinzinger) und abgenötigten Rücksichtsnahmen führte zu einem finanziellen Engpass, dem mit unbürokratischen Maßnahmen abgeholfen wurde.

Zudem fühlten sich mehrere Mitarbeiter vom Leiter überfordert - Krinzinger: "Für diese geschützte Werkstätte war ich sicherlich ein unangenehmer Chef; wissenschaftliche Arbeit ist eben Bringschuld."

Kabale und Kontinuität

Im vergangenen Sommer monierte ein Bericht des Rechnungshofes die Gebarung des Österreichischen Archäologischen Instituts. Sein Chef Krinzinger sieht dies als "Heimzahlung" und ist bereits nach Bekanntwerden der Rohfassung vor einem Jahr von seinem Posten zurückgetreten.

Als Kandidatin für die Nachfolge schlug er selber seine Mitarbeiterin Ladstätter vor. Im Vergleich zu einigen sensationsheischenden Medienberichten sind ihre ersten Aussagen über die Neuausrichtung der wissenschaftlichen Arbeit kalmierend und auf Kontinuität bedacht. Die von ihrem Vorgänger forcierte Konservierungstätigkeit und das Aufarbeiten der bisherigen Funde sollen weitergeführt werden - die wissenschaftliche Publikationstätigkeit der letzten Jahre habe, sagt sie, zum Ruf von Ephesos beigetragen.

"Zugleich möchte ich aus Ephesos ein Projekt formen", so die designierte Leiterin. "Es sollen sukzessive je fünf Jahre lang drei Fragestellungen bearbeitet werden." "Kult und Herrschaft" wird das Verhältnis der antiken Götterkulte zu den Herrscherverehrungen und dem "normalen" Leben der Menschen klären. Mit "Stadt und Umfeld" möchte die neue Grabungschefin die Umgebung einbeziehen, die "zerstörungsfrei" untersucht und vor der Zerstörung durch den lokalen Bauboom gerettet werden soll. "Schließlich wollen wir das Zeitfenster im dritten und vierten Jahrhundert unter die Lupe nehmen, den Übergang zur späten Kaiserzeit und zum byzantinischen Reich."

Das Verhältnis zwischen alter und neuer Leitung ist nach Aussagen beider gut. "Ich unterstütze sie", sagt Krinzinger, "und ich will ihr nicht im Weg stehen." (Michael Freund, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. Dezember 2007)