Wien - Mit Jahresbeginn ist die Reform der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Kraft getreten. Weil das derzeit gültige Regelwerk "absolut nicht geeignet war, eine Forschungsträgerorganisation zu führen", habe man der Akademie "zeitgemäße Führungsstrukturen" gegeben und die Entscheidungsabläufe vereinfacht, erklärte ÖAW-Präsident Peter Schuster. Dazu wurden drei neue Aufsichts- und Beratungs-Gremien geschaffen. Zur Verjüngung der Akademie wurde eine "Junge Kurie" für vielversprechende Nachwuchswissenschafter gegründet, die sich im Frühjahr konstituieren soll.

"Junge Kurie"

Das Durchschnittsalter der Mitglieder der 160 Jahre alten Institution liegt bei rund 70 Jahren. Für frisches Blut soll nun die "Junge Kurie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften" sorgen. Die ersten 38 Mitglieder sollen herausragende Nachwuchswissenschafter werden, die entweder den österreichischen START-Preis oder den European Young Investigators Award (EURYI) erhalten haben. Weil der überwiegende Teil davon Naturwissenschafter sind und nur eine Frau darunter ist, soll nun eine vom ÖAW-Präsidium eingesetzte Jury 16 weitere Personen, etwa Apart-Stipendiaten, für die "Junge Kurie" nominieren und so den geringen Anteil an Frauen sowie an Geistes- und Sozialwissenschaftern heben.

Künftig sollen die Mitglieder der "Jungen Kurie" jedoch - so wie bei der ÖAW üblich - nach dem Prinzip der Selbstergänzung von den Jung-Akademie-Mitgliedern selbst ausgesucht werden, allerdings müssen die Kandidaten von der Gesamtsitzung bestätigt werden. Maximal 70 Mitglieder werden zur "Jungen Kurie" gehören, die Mitgliedschaft ist auf acht Jahre begrenzt, es soll auch ein Alterslimit geben, dessen Grenze allerdings noch in Diskussion ist.

Gesamtsitzungen

An den Gesamtsitzungen der Akademie, welche bisher nur den "wirklichen Mitgliedern" vorbehalten waren, sollen künftig auch 14 "korrespondierende Mitglieder" sowie 14 Mitglieder der "Jungen Kurie" teilnehmen dürfen.

Hintergrund

Im Regierungsprogramm war für die ÖAW eine "Umstrukturierung im Hinblick auf modernere Entscheidungsstrukturen" vereinbart, und auch der Forschungsrat hat Reformen von der ÖAW eingefordert. Die Akademie hat deshalb ein Reformkonzept ausgearbeitet, das in den vergangenen Monaten von der ÖAW-Gesamtsitzung, der Vollversammlung der Akademiemitglieder, beschlossen wurde, den Ministerrat passiert hat und kürzlich vom Bundespräsidenten als oberstem Schirmherren der Akademie bestätigt wurde.

Weitere Änderungen

Bisher wurden fast alle wesentlichen Beschlüsse der Akademie in der Gesamtsitzung gefasst. Durch Änderungen in der Satzung und der Geschäftsordnung ist nun "viel mehr Entscheidungskompetenz direkt ins Präsidium gegangen, Entscheidungen aus dem täglichen Geschäft können nun vom Präsidium alleine oder in Abstimmung mit der neu eingerichteten Strategie- und Planungskommission getroffen werden", sagte Peter Schuster. Diese Kommission wurde als Unterausschuss der Gesamtsitzung gebildet, und stellt laut Schuster einen "Akademie-internen Aufsichtsrat" dar. Das Gremium setzt sich aus je fünf wirklichen Mitgliedern und je einem korrespondierenden Mitglied der beiden Klassen (die ÖAW ist in eine mathematisch-naturwissenschaftliche und eine philosophisch-historische Klasse unterteilt) sowie zwei Vertretern der Jungen Kurie zusammen, umfasst also 14 Mitglieder.

Als "Aufsichtsrat für die finanziellen Belange und die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel" bezeichnete Schuster das neue Finanzkuratorium. Dieses Gremium umfasst zwölf Mitglieder, je vier werden von der Akademie selbst, vom Senat der Akademie und vom Wissenschaftsministerium entsendet. Der bereits vor einigen Jahren eingerichtete Senat der ÖAW unter der Leitung des jeweiligen Nationalratspräsidenten bleibt als Bindeglied zwischen Akademie und Öffentlichkeit unverändert bestehen.

Forschungskuratorium

Neu eingerichtet wird ein Forschungskuratorium, das sich aus internationalen Experten aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten zusammensetzen soll. Dies sei ein Beratungsorgan des Präsidiums in übergeordneten wissenschaftlichen Fragen, sagte Schuster, der damit rechnet, dass die Experten für dieses Gremium in der ersten Jahreshälfte feststehen werden. Die neue Strategie- und Planungskommission soll dagegen bereits im Jänner eingesetzt, das Finanzkuratorium spätestens im März eingerichtet werden, weil es mindestens halbjährlich einen Bericht über die finanzielle Entwicklung der Akademie abgeben muss, betonte Schuster. Die Implementierung der gesamten Reform dürfte rund ein Jahr in Anspruch nehmen. (APA)