Das Thema gibt es in zig Variationen. Einmal poppt es als "Feinstaub" auf, einmal unter dem Titel Ozon, dann wieder als das globale Szenario Klimaerwärmung. Doch im Grunde geht es immer nur um eines: die Qualität der Luft. Und jedes Mal wird aufs Neue der Weltuntergang neu erfunden. Gibt es keine "Todesliste Ozon" mehr, so wird uns halt vorgerechnet, wie viele Menschen jährlich an Feinstaub sterben. Und wem das nicht reicht, dem gibt der Treibhauseffekt den Rest.

Geht es aber um konkrete Maßnahmen, wird die große politische Soiree eröffnet: "Alles Eiertanz!" Die Städte wollen Richtlinien vom Bund, und eine City-Maut wie in London oder Mailand könne man doch nicht einfach übertragen. Und für den Bund sind die Probleme der Städte derart vielfältig, dass diese doch bitte selbst entscheiden sollten. Für alle Beteiligten gilt aber vor allem: Nur ja die Autofahrer nicht reizen!

Die begnadetsten Dancingstars unter den Eiertänzern sind jedes Mal die Wiener. Gewiss: Der öffentliche Verkehr ist hier vergleichsweise gut ausgebaut. Und ja: Es gibt das Parkpickerl. Aber sonst feiert die Stadt-SP schon die paar neuen Straßen mit Tempo 50 als siegreichen Schlag gegen den Feinstaub - nur weil man dafür heroisch ein paar Wochen der Aufregung erlitten hat.

Aber irgendwann werden sie sich im Rathaus ohnehin etwas einfallen lassen müssen, um die Luftgüte generell zu verbessern. Denn kaum gibt's weniger Feinstaubüberschreitungen, schnellen auf einmal die Stickoxidwerte in die Höhe, und es muss ein neues Maßnahmenprogramm erarbeitet werden. Und bei Stickoxid geht es ausschließlich um Verkehr, und zwar um den vor der Haustür. Da kann man sich nimmer auf stinkerte Wolken aus dem Osten ausreden. Und da wird es auch nimmer reichen, dass die Wiener Umweltstadträtin vom Bund fordert, er möge doch die Traktoren zur Pickerlkontrolle schicken. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 4. Jänner 2008)