Tiflis - Georgiens politische Krise wird sich nach Einschätzung der Expertin Dani Tabukaschwili mit einem Sieg von Michail Saakaschwili bei der Präsidentenwahl nicht entspannen. "Die Opposition wird sich mit der Niederlage nicht zufriedengeben", sagte die unabhängige Politologin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Tiflis. Mit Blick auf die ersten Massenproteste nach dem Ausgang der Wahl sagte sie am Sonntag, dass es bisher allerdings wenig Hinweise auf eine Wiederholung der Polizeigewalt von Anfang November gebe.

"Die Menschen sind nicht mehr so mutig wie noch vor ein paar Wochen, als sie von der Polizeigewalt völlig überrascht und eingeschüchtert wurden. Saakaschwili hat auch angedroht, wieder Sicherheitskräfte einzusetzen", sagte Tabukaschwili. Gegen gewaltsame Auseinandersetzungen spreche derzeit auch, dass Saakaschwili auf die wesentlichen Forderungen der Opposition nach Neuwahlen und einem Programm zur Verbesserung des Lebensstandards eingegangen ist.

Die Regierungskritiker verstünden es aber weiterhin sehr gut, die Menschen zu mobilisieren, gab Tabukaschwili zu bedenken. Saakaschwili biete mit seiner zunehmend autoritären Politik und der Stärkung seiner eigenen Machtbefugnisse zulasten des Parlaments viele Angriffspunkte. "Die Gefahr von Unruhen bleibt."

"Das kleinste Übel"

Viele Wähler sähen in Saakaschwili das "kleinste Übel unter den insgesamt sieben Kandidaten". Zudem habe der bisherige Staatschef als einziger ein richtiges Programm gehabt - "und sehr viel Geld für den Wahlkampf ausgegeben", führte die Wissenschaftlerin aus. Wie keinem Politiker vor ihm sei es Saakaschwili bisher gelungen, vor allem auch die Minderheiten in der Kaukasus-Republik zu einen. "Er gewann viele Stimmen in Westgeorgien, weil ihm die Menschen an der Grenze zu Abchasien zutrauen, die abtrünnige Region mit Georgien zu vereinen."

Mit seiner antirussischen Politik treffe Saakaschwili zudem zunehmend den Nerv der Bevölkerung, "auch wenn viele Kritiker Saakaschwili inzwischen als Marionette des Westens und insbesondere der USA bezeichnen", sagte Tabukaschwili. (APA/dpa)