Wien/Linz – Wenn es stimmt, was das Wiener Gallup-Institut für Österreich ermittelt hat, dann käme die SPÖ bei einer überraschend angesetzten Nationalratswahl derzeit auf 35 Prozent der Stimmen, die ÖVP aber nur auf 33. Das würde bedeuten, dass sich seit der Nationalratswahl am 1. Oktober 2006 an der Spitze wenig getan hätte. Damals hatte die damalige Kanzlerpartei ÖVP massiv (nämlich knapp acht Prozentpunkte) verloren und nur 34,33 Prozent bekommen, während die SPÖ mit wesentlich geringeren Verlusten 35,34 erreichte und den ersten Platz bekam. David Pfarrhofer vom Linzer market-Institut kann das nicht nachvollziehen: "Unsere Zahlen besagen etwas ganz anderes: Wir waren zuletzt in der 51. Woche, also knapp vor Weihnachten, mit der Sonntagsfrage im Feld – und da haben wir sehr ähnliche Ergebnisse gehabt wie in vorherigen Wellen: nämlich einen Vorsprung der ÖVP vor der SPÖ."

Dies wäre auch in den Rohdaten deutlich abzulesen: Da komme die ÖVP auf 29 Prozent – das ist ein höher Anteil an den Befragten als sie es im Jahr 2006 an den Wahlberechtigten hatte (von diesen haben nur 26,5 Prozent die ÖVP gewählt). Die SPÖ kommt in den Rohdaten der letzten market-Umfragewelle dagegen nur auf 23 Prozent, also auf deutlich weniger als sie bei der letzten Wahl hatte.

Alle Meinungsforscher sind sich aber über das Faktum einig, dass es insgesamt sehr wenig Bewegung in den Umfragen gibt und dass man daraus keinen Schluss auf ein echtes Wahlergebnis ziehen könnte: Man könne allenfalls davon ausgehen, dass die eine Partei eher knapp vor der anderen liege, heißt es vorsichtig. Und Pfarrhofer sagt im Hinblick auf die Daten seines Instituts: "Bei uns war seit der Regierungsbildung, die von den meisten Kommentatoren und entsprechend auch von der Bevölkerung als inhaltlicher Erfolg der ÖVP gesehen wurde, die die ÖVP vorne. Und da hat sich das ganze Jahr wenig geändert." Die Umfragen zwischen den Wahlgängen könnten aber nur einer groben Orientierung _dienen: Während der ersten schwarz-blauen Koalition gab es fast durchwegs Umfrage-Mehrheiten der Oppositionsparteien und einen Vorsprung der SPÖ vor der Kanzlerpartei ÖVP. Erst unmittelbar vor der Wahl 2002 legte die ÖVP zu. Dass die SPÖ als Kanzlerpartei einen Bonus einfahren könnte, wenn vorzeitig gewählt wird, sei durchaus denkbar. Es komme aber letztlich auf die Umstände an.

ÖVP in Graz vorne

Eine andere Umfrage (Integral für den Kurier) sieht bei der Gemeinderatswahl in Graz am 20. Januar die ÖVP bei leichten Verlusten bei 35 Prozent vor der SPÖ (hält 26) und den stark gewinnenden Grünen (13) und Freiheitlichen (11). (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2008)