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"Auf und weiter, auf und weiter!"

Foto: Reuters/Rellandini
Wien - Nach einem Trainingsblock in Österreich ist Hermann Maier am Montag nach Wengen gereist, wo am Dienstag das erste Abfahrtstraining stattfindet. In einem aktuellen vierseitigen Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sprach der 35-Jährige u.a. über seine Kindheit, seine Eltern, den Nagano-Sturz 1998 oder den Motorrad-Unfall 2001.

Auf die Frage, ob er angesichts der Erfolge irgendwann einmal nahe dem Größenwahn war, meinte der Gewinner beinahe sämtlicher wichtiger Ski-Trophäen: "Ja, aber ausschließlich auf der Skipiste. Der Sturz bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano war ein Resultat meines Größenwahns."

"Meine Kindheit war ein einziger Wettkampf"

Über seine veränderte Einstellung zum Rennfahren meinte der gelernte Maurer: "Ich muss nicht mehr gewinnen, ich will gewinnen. Früher kannte ich nur weiter, weiter, weiter, und zum Schluss musste die große Weltcup-Kugel da stehen." Genau dieser Wesenszug hatte sich bereits in seiner Kindheit gezeigt. "Ich war schon als Kind sehr ehrgeizig und wollte es immer allen zeigen, meine Kindheit war ein einziger Wettkampf, da gab es kein Liegenbleiben, kein Aufgeben. Auf und weiter, auf und weiter! Ich habe immer gespürt, dass ich Außergewöhnliches leisten kann."

Seit dem schweren Motorrad-Unfall 2001 kann Maier aber auch an etwas anderes als Skifahren denken. Das war nicht immer so. "2001 hat meine damalige Freundin am Morgen vor dem Rennen in Kitzbühel zu mir gesagt, dass ich in der Nacht fürchterlich gezappelt hätte. Da habe ich bestimmt den Zielschuss geprobt, der passte beim Training nicht perfekt. Heute schaffe ich es, auch mal ganz abzuschalten."

"Ganz unten zu sein, macht menschlich"

Was für Maier eine Folge des Unfalls ist. "Ganz unten zu sein, macht menschlich. Ich habe Demut gelernt, selbstverständlich ist für mich heute nichts mehr. Heute danke ich in Momenten des Erfolgs dem lieben Gott für den Triumph. Ich glaube, der Unfall war ein Zeichen von oben, dass es auch bei mir Grenzen gibt."

Nach dem Unfall sei der Öffentlichkeit zunächst ein falscher Eindruck über die Schwere der Verletzungen vermittelt worden. "Die Fans sollten glauben, dass es wieder schnell aufwärts geht. Vielleicht habe ich mir auch selbst was vormachen wollen. Abends, als ich wieder allein dort lag, fühlte ich mich elend. Man hätte gleich die Wahrheit sagen müssen. Informieren, dass ich Monate, vielleicht Jahre ausfalle."

"Da jagt man runter und kriegt einen Pokal"

Seine Eltern bezeichnete Maier "immer schon als meine größte Stütze". "Sie sind beide Skilehrer und sind auch Rennen gefahren. Die haben meinen Bruder Alexander und mich geschnappt, in den VW-Käfer gesetzt, und sind mit uns zu den Wettkämpfen gezuckelt. Beim Zuschauen dachten wir, wow, das ist was Schönes. Da jagt man runter und kriegt einen Pokal. Das machen wir auch."

Die Tatsache, ein Superstar zu sein, bringt natürlich nicht nur Vorteile mit sich. "Es bedeutet den vollständigen Abschied aus der Anonymität, das ist ein wahnsinnig hoher Preis. Ich werde ständig von anderen Menschen beurteilt und benotet." Und das schmerze teilweise sehr. "Nach dem Motorradunfall habe ich eineinhalb Jahre lang für ein Comeback geschuftet, und dann heißt es, ich würde nur starten, um bei der Versicherung abzukassieren. Schlimmere Schmerzen hat mir nie jemand zugefügt."(APA)