Die Mercedes-Verkäufer in Frankreich durften sich zu Weihnachten die Hände reiben: Sie verkauften im Dezember fast 70 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahr. Bei BMW betrug das Plus 53 Prozent.

Der Grund liegt auf der Hand: Am 1. Jänner trat in Frankreich ein Bonus-Malus-System für Schadstoffemissionen in Kraft - ähnlich wie in Österreich Mitte 2008. Fahrzeuge mit mehr als 160 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer werden mit einer Umweltsteuer belegt, die von 200 bis 2600 Euro reicht. Viele Franzosen antizipierten diese Taxe, indem sie ihren Kaufwunsch für eine treibstoffgefräßige Limousine oder einen großen Geländewagen noch kurz vor Jahresende realisierten.

Umgekehrt profitieren Kleinwagen, die pro Kilometer weniger als 130 Gramm Kohlenstoffdioxid ausstoßen, seit Neujahr von einem Bonus: Die Behörden erstatten 200 bis 1000 Euro zurück. Nach Schätzungen der Automobilverbände dürfte jeder dritte Neuwagen betroffen sein.

Kritik an Bonus-Malus-System

Ausländische Autohersteller kritisieren zum Teil, das neue französische Bonus-Malus-System sei vor allem für die kleineren Modellen von Peugeot, Citroën oder Renault gedacht. Doch das Bonus-System nützt auch Marken wie Fiat oder VW. Die sind in Frankreich seit langem im Aufwind. In der Grande Nation wurden 2007 nur noch 51,8 Prozent französische Wagen verkauft; 2006 waren es noch fast 55 Prozent gewesen. Heuer könnten die ausländischen Anbieter die Schallgrenze von 50 Prozent erstmals durchbrechen. Welchen Zeitenwechsel dies darstellt, wird klar, wenn man sich erinnert, dass die Franzosen zuhause noch 1980 einen Marktanteil von 77 Prozent gehabt hatten.

2007 verzeichneten Hersteller wie VW (plus zwölf Prozent) oder BMW (plus 30 Prozent) in Frankreich den größten Zuwachs. Bei einem um 3,2 Prozent insgesamt leicht gestiegenen Verkauf der Neuwagen schnitten französische Marken fast am schlechtesten ab: Renault verlor 6,1 Prozent, Peugeot 2,1 Prozent. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)