Worauf muss sich die Welt einstellen, wenn Barack Obama oder Hillary Clinton, John McCain, Mike Huckabee oder Rudy Giuliani dereinst im Weißen Haus regieren? Noch gibt es vom außenpolitischen Programm der meisten Kandidaten nur grobe Konturen, zumal es im Wahlkampf bislang mehr um Charaktere als um Inhalte ging. Hier ein kurzer Überblick:
  • Barack Obama hebt sich am stärksten vom jetzigen Präsidenten ab, besonders von der Nahostpolitik George W. Bushs. Unter den wichtigen Bewerbern war er der Einzige, der den Einmarsch im Irak von Beginn an ablehnte. Heute plädiert er für einen relativ schnellen Abzug, wobei auch er ein kleines Kontingent in der Region belassen möchte.

    Aufsehen erregte Obama, als er ein Kommandounternehmen in Pakistan empfahl, um die dortigen Hochburgen Al-Kaidas zu attackieren und Osama Bin Laden gefangenzunehmen. Ohne Vorbedingungen zu stellen, will er einen Dialog mit Iran anbahnen. Falls Teheran die Urananreicherung einstellt und Schiitenmilizen im Irak nicht länger unterstützt, gedenkt Obama dies mit Wirtschaftshilfe zu belohnen, eventuell auch mit Garantien, dass Washington keinen „regime change“ anpeilt.

  • Hillary Clinton verspricht, bereits in den ersten 60 Tagen ihrer eventuellen Präsidentschaft mit dem Truppenrückzug aus Bagdad zu beginnen. Den Krieg im Irak zu beenden sei der erste Schritt, um die globale Führungsrolle der USA wiederherzustellen. Iran und Syrien will sie in Verhandlungen über eine Nachkriegslösung einbeziehen. Anders als Obama ist sie nicht zu sofortigen Gesprächen mit Teheran bereit.

    Gemeinsam mit Russland will Clinton die Atomwaffenarsenale substanziell reduzieren. Als „wichtigste bilaterale Beziehung des 21. Jahrhunderts“ wertet sie das Verhältnis USA/China. In Bezug auf die Europäer will sie alles, was aus der Bush-Ära an Spannungen übrigblieb, aus der Welt schaffen, beim Klimaschutz besser kooperieren.

  • John McCain, außenpolitisch der Erfahrenste unter den republikanischen Anwärtern, steht für einen Verbleib der US-Armee im Irak, bis sich die Lage entscheidend bessert. Einen Plan B gebe es nicht. Im Konflikt mit Iran will er die militärische Option auf dem Tisch lassen („Bomb, bomb, bomb Iran“, sang er halb scherzhaft im Wahlkampf).

    Zudem fordert er eine härtere Russlandpolitik, will Moskau aus den G-8 ausschließen und dafür Brasilien und Indien aufnehmen. Schaue er in Wladimir Putins Augen, erzählt er bei fast jedem Auftritt, sehe er dort drei Buchstaben aufblitzen: ein K, ein G und ein B. Die Bande zu West- und Mitteleuropa will McCain stärken.

  • Rudy Giuliani gibt sich als kompromisslosester Kämpfer gegen Terror und „Islamofaschismus“. Ähnlich wie Bush sieht er den Irak als Schlachtfeld im globalen Ringen mit islamistischen Fanatikern. Ähnlich wie Bush betont er, dass Amerika bei diesem Duell in der Offensive bleiben müsse. In den Details bleibt er vage.

  • Mitt Romney lobt Bush dafür, dass er nach 9/11 weitere Terroranschläge auf US-Boden verhindern konnte. Zugleich verlangt er einen stärker multilateral geprägten Ansatz in der Irakpolitik.

  • Mike Huckabee schlägt im Reigen der führenden Konservativen die kritischsten Töne gegenüber Bush an. „Die Außenpolitik muss sich ändern, in ihrem Ton und in ihrem Verhalten“, schrieb er vor kurzem im Fachmagazin Foreign Affairs: „Die arrogante Bunkermentalität der Bush-Administration war kontraproduktiv, sowohl zu Hause als auch im Ausland.“ (DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2008)