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"Ich werde weiterarbeiten, das Beste rausholen, Sachen verbessern."

Foto: APA/Techt
Wien/Marburg - Sie ist mit den Saisonplatzierungen 9 in Sölden, 2 in Panorama, 4 in Lienz und 3 in Spindlermühle die konstanteste Riesentorläuferin unter den ÖSV-Damen in diesem Weltcup-Winter und weltweit die aktuelle Nummer 2 hinter der vierfachen Saisonsiegerin Denise Karbon. Die 26-jährige Elisabeth Görgl sprach vor den Weltcup-Rennen in Marburg über Veränderungen, ihr aktuelle Stärke und warum sie auf Mentalbetreuung setzt.

Und darüber, dass sie gelernt hat, geduldig zu sein, denn auf den ersten Weltcupsieg ihrer Karriere wartet die in Innsbruck lebende Steirerin nach fünf zweiten und sieben dritten Plätzen noch.

Sie beeindrucken im Riesentorlauf mit konstanten Leistungen. Haben Sie Ihre Lieblingsdisziplin gefunden?

"Und wenn ich in der Abfahrt gut bin, dann ist die Abfahrt meine Lieblingsdisziplin. Nein. Ich will in allen Disziplinen gut sein und ich will weiterhin alles fahren. Im Riesentorlauf geht es mir recht leicht von der Hand. Und dass es da so gut läuft, gibt eine gewisse Stabilität, das will ich in die anderen Disziplinen mitnehmen."

Haben Sie mit diesen Leistungen gerechnet?

"Nicht ganz so, aber ich wusste, ich kann Top Fünf sein. Dass es so gut geht, macht mich umso glücklicher. Ich habe im Sommer die Basis dafür geschaffen, schon im Training war die erste Fahrt gut, das war nicht immer so. Wir haben viel an der Technik gearbeitet und ich habe eine gewisse Routine in die Abläufe reingebracht, das fängt schon bei der Startvorberichtung an. Ich habe mich selber besser kennengelernt und weiß, was mir gut tut."

Denise Karbon ist RTL-Spezialistin. Ist das der Grund, warum es in diesem Winter noch keine Allrounderin geschafft hat, an sie ranzukommen?

"So einfach ist es nicht, aber dies ist ein Ansatzpunkt. Es ist mit zwei Disziplinen sicher leichter, weil man sich besser vorbereiten kann. Vor Spindlermühle habe ich zwei Tage nur Riesentorlauf trainiert, und das hat mir sehr gut getan. Es geht nicht immer alles aus dem FF - ein Schwung und es passt; man muss es sich immer wieder erarbeiten. Wenn man vier Disziplinen fährt, muss man die kürzeste Zeit gut nützen. Da sind wir gefordert. Für die Spezialisten dauert es aber oft lange von einem Rennen zum anderen. Nichts für mich, das wäre mir zu fad."

Wie ist Denise Karbon zu schlagen?

"Wenn ich das wüsste! Sie hat eine solide, gute Technik und hat zuletzt ganz unbeirrt ihre Lockerheit ausgespielt. Der Sieg wird auch in Marburg nur über sie führen. Ich werde weiterarbeiten, das Beste rausholen, Sachen verbessern. Es kann noch länger dauern, oder gleich passieren, bis es aufgeht. Ich werde den Sieg nicht erzwingen können, das haben mir zumindest die Trainer gesagt. Ehrlich, ich bin in Marburg zufrieden, wenn ich unter die Top Fünf komme, weil Konstanz wichtig ist. Es gibt viele gute Läuferinnen."

Sie haben im Weltcup fünf zweite und sieben dritte Plätzen errungen, ein Sieg fehlt noch. Wie ist es um Ihre Geduld bestellt?

"Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Ich arbeite seit vier Jahren mit einem Mentalbetreuer, das trägt Früchte. Es ist ein Puzzlestein für das Ganze. Ich fühle mich wohl dabei, für mich ist es wichtig."

Das mediale Interesse im Technikbereich war auf ihre Teamkolleginnen Nicole Hosp und Marlies Schild gerichtet. Sie sind sozusagen im Windschatten aufgetaucht ...

" ... fein, wenn ich mich in Ruhe auf die Sache konzentrieren kann. Ich schaue auf mich und lasse mich nicht drausbringen. Es ist ein Vorteil, wenn das Interesse nicht so auf einem liegt. Ich spüre keinen Druck."

Nachdem Sie am vergangenen Samstag in Spindlermühle Dritte geworden waren, hat Ihr Bruder Stephan nach Halbzeitführung in Adelboden die Chance auf den Sieg gehabt. Nach einem Fehler wurde er nur 19. Wie haben Sie das miterlebt?

"Ich bin selber Rennfahrerin und weiß, wie das ist, am meisten ist man selbst 'angezipft'. Im ersten Durchgang hat er mir irrsinnig gefallen, das war sehr, sehr positiv. Den zweiten Durchgang habe ich nicht gesehen, aber man erzählte mir, dass er bis zum schweren Fehler voll attackierte. Und nur das zählt, er ist an seine Grenzen gegangen, hat sich gefordert. Das macht mich froh, und ich denke nicht, was sein hätte können. Es ist schon vorbei mit dem Ausfall, und es gibt ein nächstes Rennen." (APA)