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Christoph Bieler ist mit den Herren in der FIS-Chefetage nicht zufrieden.

Foto:APA/Hochmuth
Seefeld - "Es ist schon jetzt eine gute Saison." Sagte Christoph Bieler am Donnerstag in Seefeld/Tirol, wo die Nordischen Kombinierer erstens übten für die Bewerbe am Wochenende im Val di Fiemme und zweitens schon ein wenig Stimmung machten für den Heimweltcup Ende Jänner. Die Saison ist noch relativ jung, erst neun von 24 Bewerben sind gesprungen und gelaufen, Bieler ist einer von sieben Siegern. Anfang Dezember in Trondheim hatte er seinem ersten Weltcupsieg (Lillehammer, Dezember 2006) einen zweiten hinzugefügt. "Und deshalb ist ein großes Ziel bereits erreicht."

So gut konnte es kaum weitergehen, ging es auch nicht. In Ramsau kam Bieler auf die Ränge sechs und sieben, zuletzt in Schonach war er Vierter im Sprint. "Ich darf's nicht erzwingen wollen, muss zufrieden sein, wenn ich unter den Top 10 bin." Der 30-jährige Tiroler liegt im Weltcup auf Rang sechs hinter zwei Deutschen (Ackermann, Kircheisen), einem US-Amerikaner (Demong), einem Norweger (Tande), einem Franzosen (Lamy Chappuis). "Unser Sport ist extrem abwechslungsreich und spannend", sagt Bieler.

Und genau damit verbindet er seine Kritik am internationalen Verband. "Die Leute, die sich in der FIS um Kombination kümmern, sind das große Problem. Wir werden nicht wirkungsvoll vermarktet." Die Springer hätten die Tournee, die Biathleten begeisterten Zuseher im Fußballstadion (AufSchalke), im Langlauf werde die Tour de Ski etabliert. Bieler: "Alle haben etwas oder versuchen etwas. Nur bei uns schaffen es die Chefitäten nicht, Sinnvolles auf die Beine zu stellen." Im deutschen TV erzielen die Kombinierer nach den Biathleten die besten Quoten im Winter, an den Schanzen und Loipen versammeln sich massenhaft Zuseher. "Doch die zuständigen Herren überlegen sich nur, wie sie an den Regeln herumtüfteln können. Dabei braucht es da gar nichts."

Im Weltcup fühlen sich die Österreicher insofern verschaukelt, als sie fast durch die Bank sprungstark sind, diese Stärke aber kaum ausspielen können, weil generell viel Anlauf genommen werden darf. ÖSV-Sportdirektor Anton Innauer muss seinen "Ärger über die Jury bei den bisherigen Bewerben loswerden. Jeder Kombinierer kann problemlos auf den K-Punkt springen, das ist sportlich unfair." Auch Bieler schaffte zumeist im Springen die Basis für Spitzenplätze, doch hat er sich im Sommer vor allem läuferisch entwickelt - dank Spezialtraining mit Christoph Eugen, seinem Ex-Kollegen.

Trotz Felix Gottwalds Rücktritt sieht sich Bieler "nicht als Nummer eins im Team". Er freue sich über die guten Resultate, die seine Kollegen Bernhard Gruber, David Kreiner und Willi Denifl erzielten. Bis Vancouver 2010 will er jedenfalls weitertun. Zwar redet Bieler recht oft von seinem "fortgeschrittenen Alter", er sagt aber auch: "Ich fühle mich nicht so alt, wie ich bin." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 11.01.2008)