Wien – Will er einem Gast die maßgeblichen Daten des Wiener Volkstheaters präsentieren, lädt Thomas Stöphl, Michael Schottenbergs neuer Verwaltungsdirektor am Weghuberpark, zur Einsichtnahme an den Computerschirm. Er klickt beflissen allerlei Kästchen an, und sofort entfalten sich Sitzpläne mit vielen dunkelroten Reservierungsvierecken.

Was Stöphl, der mit 1. September 2007 von der kommunalen Kulturverwaltung in das ökonomisch angeschlagene Haus wechselte und seit 1. Dezember als kaufmännischer Geschäftsführer amtiert, demonstrieren möchte — die Auslastungszahlen sind signifikant im Ansteigen begriffen.

Schottenbergs Stadttheater mit dem pulsierenden roten Stern am Dach hat zwei Saisonen lang eine überaus kritische Phase durchstehen müssen. Die vom Bund einseitig heruntergefahrenen Subventionen erzwangen ein Wirtschaften mit 10,3 Millionen Euro per anno. Die Stadt Wien beteuerte ihr Problembewusstsein – und konnte der strukturellen Unterdeckung, die aus der Ära Emmy Werners herrührte, doch nicht den Stachel nehmen.

"Wir haben beiden Subventionsgebern ein Ansuchen über drei Jahre vorgelegt", kommentiert Stöphl trocken: "Dieser beinhaltet einen jährlichen Mehrbedarf von 1,4Millionen Euro. Es gab bis 1999 etwa einen Pari-Stand zwischen Bund und Stadt." Doch Kulturstaatssekretär Franz Morak (VP) lenkte ab 2000 seinen wohlwollenden Blick beispielsweise verstärkt auf die Oberzeiringer Gegend.

Verordnete Kur

Das Volkstheater hätte seine prekäre Situation mit zusammengekniffenen Lippen "hervorragend gemeistert", sagt Stöphl. Es gab aber auch Personalabbaumaßnahmen, und Schottenbergs Schauspieler-Ensemble ist – mit Blick auf Wiens größte Portalbühne – geradezu bulimisch schlank. Der aktuell anzustrebende Dreijahresvertrag würde auch vom Rechnungshof ausdrücklich empfohlen. In der laufenden Saison 2007/08 hat das Haus 630.000 Euro mehr bekommen (Gemeindeanteil: rund 340.000 Euro). Bereits vorher war um Entschuldungsbeiträge angesucht worden: Die Stadt trug ihrerseits 450.000 Euro bei.

Dafür sieht nunmehr auch die Saisonbilanz 2006/07 höchst anständig aus. Kunstministerin Claudia Schmied (SPÖ) könnte jetzt ihrerseits budgetäre Umschichtungen vornehmen. Stöphl hat derweil Planvarianten vorgelegt: "Wie das so ist: Die billigste wurde genommen!" Mittlerweile wird eben mit einem Sparbudget weitergearbeitet: 1,4 Millionen Gesamtvolumen werden auf die 10,3 Mio. Euro draufgeschlagen (für 2007/08: 10,9). Der angemeldete Mehrbedarf sollte daher ein Subventionsvolumen von 11,7Millionen gewährleisten. Gesamtaufwand: 14,9 Millionen.

Zeit des Übergangs

Zukunftsmusik? Stöphl, dem eine unaufdringliche Beharrlichkeit eignet und obendrein ein exquisites Detailwissen aus seinem langjährigen Wirken im Wiener Kulturamt, entwickelt wie beiläufig ehrgeizigere Pläne. Er weiß, dass das Fehlen einer geeigneten Seitenbühne das "Anlagern" von Dekorationen beinah verunmöglicht und damit jeden Repertoirebetrieb untergräbt. Kassenknüller müssen ohne jede Rücksicht auf die Nachfrage "abgespielt" werden; dabei fange das knapp 1000-Plätze-Haus erst bei einer Befüllung mit 500, 600 Besuchern "zu atmen" an (Stöphl).

Der neue Verwalter hat sich daher auf ein "Facelifting" eingeschworen: Marketing und Kartenvertrieb müssten unbedingt modernisiert werden. Er blickt bereits zufrieden auf steigende Abendeinnahmen – und formuliert wie nebenher sein Credo: "Ich muss schließlich auf die Einnahmen schauen! Die sind mir noch wichtiger als ein paar Prozentpunkte in der Auslastung. Auch wenn die Vertreter der Medien das anders sehen." (Ronald Pohl, DER STANDARD/Printausgabe, 11./12.01.2008)