"Friede den Hütten, Krieg den Palästen" - dieses Transparent hängt im Gemeinschaftsraum der "Pankahyttn" in Wien-Fünfhaus, zu deren feierlicher Eröffnung am Freitagnachmittag die rund 20 Bewohner geladen haben. Tatsächlich ist das vom Fonds Soziales Wien (FSW) angemietete und eilig renovierte Haus mehr Hütte als Palast, doch äußerten sich die Punks ebenso positiv über das Wohnprojekt wie Vertreter der Kommunalpolitik. Ende Jänner sollen die Nutzungsverträge unterschrieben werden.

Die Stadt Wien hatte vergangenen Herbst entschieden, obdachlosen Punks ein eigenes Haus zur Verfügung zu stellen. Verwaltet wird das Objekt in der Johnstraße aber nicht - wie von der Initiative "Pankahyttn" ursprünglich gefordert - autonom, sondern als betreute Einrichtung durch "wieder wohnen", einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft des FSW. Seit Mitte Dezember haben hier rund 20 junge Menschen (und 15 Hunde) ein neues Zuhause gefunden. In den nächsten Monaten sollen es noch mehr werden.

Diese Maßnahme soll auch zu einer Verbesserung der Situation auf der Mariahilfer Straße führen, die als Szene-Treffpunkt gilt. Geschäftsleute hatten die Präsenz der Punks wiederholt beklagt. Zur selbst organisierten Eröffnungsfeier kamen am Freitag neben Gleichgesinnten auch Bezirksvertreter, Mitarbeiter städtischer Einrichtungen und Journalisten. Zu rumpelnder Punk-Mucke wurde Bier und warmes Essen gereicht. Projektleiter Heimo Rampetsreiter vom FSW, einer der Partygäste, sprach gegenüber der APA von einem gelungenen Start - "trotz der Not-Besiedelung vor wenigen Wochen".

Renovierungsarbeiten

Schließlich würden die fälligen Renovierungsarbeiten erst im Sommer zur Gänze abgeschlossen sein. Lärmschutzfenster werden noch eingebaut, ein momentan gesperrter Trakt muss noch von Folgeschäden eines Wasserrohrbruchs bereinigt werden. Außerdem wird bald ein neues Heizungssystem installiert. Derzeit sorgen Wärmestrahler für eine halbwegs wohnliche Raumtemperatur. Kleinere Arbeiten wie das Ausmalen der Zimmer oder die Parkettbodenverlegung werden von den Bewohnern selbst durchgeführt.

Während die Stadt Wien als Hauptmieter des Hauses fungiert, sollen so genannte Nutzungsverträge den Bewohnern die rechtlich abgesicherte Benützung der Räume garantieren. Diese würden voraussichtlich schon Ende Jänner unterschriftsreif sein, kündigte Rampetsreiter an. Mündlich habe man sich bereits auf die wesentlichen Punkte geeinigt. Demnach werden die Punks selbst für die Betriebskosten aufkommen und einen symbolischen Mietbeitrag bezahlen. Die genaue Summe stehe noch nicht fest. Gemäß anderer Obdachloseneinrichtungen nannte der Projektleiter jedoch 150 bis 220 Euro pro Person und Monat als Richtwert.

Freundlicher Empfang

Die Verträge sollen außerdem soziale Kontrakte beinhalten, die etwa Belästigungen der Anrainer sanktionieren. Dazu dürfte es aber aus jetziger Sicht nicht kommen, gab sich der interimistische Vorsteher des 15. Bezirks, Gerhard Zatlokal, im APA-Gespräch optimistisch: "Bis jetzt hat es eine einzige Beschwerde wegen zu lauter Musik gegeben." Auch andere, im Vorfeld von Anrainern geäußerte Befürchtungen wie die Belagerung des nahe gelegenen Meiselmarktes oder Bedenken besorgter Eltern, Kinder könnten von den Irokesenträgern belästigt werden, seien nicht eingetreten.

Hausbewohnerin Lotte, die auch Mitglied im "Pankahyttn"-Verein ist, erinnerte sich vielmehr an einen "freundlichen Empfang": "Viele Nachbarn haben uns Essen oder Geschirr vorbeigebracht, manche haben uns sogar Spenden dagelassen", so die junge Frau zur APA. Auch wenn die einzelnen Räume ziemlich abgewohnt und es überhaupt noch etwas konfus "in unserer Riesen-WG" zugehe, sei sie sehr zufrieden mit der aktuellen Situation. "Mal schauen, ob die mündlich vereinbarten Dinge dann auch so in den Verträgen stehen."

Mitleid hingegen äußerte Lotte gegenüber den Sozialarbeitern der Stadt, die einen eigens errichteten Container rund um die Uhr besetzen. Sie sollen bei etwaigen Probleme als Anlaufstelle dienen und gegebenenfalls nach dem Rechten sehen. "Denen muss schrecklich fad sein. Bisher ist nicht das Geringste passiert". (APA)