Jedes Jahr deutlich mehr Schwerverletzte als im Straßenverkehr, davon 6000 Schädelverletzungen: Wen das nicht überzeugt, der sollte sich einmal für eine halbe Stunde an den Hang einer Talabfahrt in einem großen Skigebiet stellen. Da kann man was erleben. Jede Menge Skifahrer und Boarder, die sich nicht im Griff haben und andere touchieren oder gar über den Haufen fahren.

Damit nicht genug: Es gilt Alkohol unlimited. Praktisch keine Skihütte, aus der am Ende des Tages nicht besoffene Horden heraustorkeln, um talwärts zu schleudern (oder direkt unter ein Pistengerät, wie unlängst einer, der dann halbtot war).

Der ganz normale Freizeitsportwahnsinn. Würde man sich so auf Straßen und Wegen oder in Fußgängerzonen verhalten, käme rasch die Polizei. Auf dem Berg aber soll alles erlaubt sein? Keinesfalls. Einerseits sind die Kosten für die Allgemeinheit - hunderte Millionen Euro - enorm. Und manche mögen sich die Freiheit nehmen, sich selbst zu verstümmeln. Die sollte aber dort enden, wo andere fahrlässig gefährdet werden.

Positive Anreize und Sturzhelmpflicht

Deshalb darf kein Mittel ausgelassen werden, um die Sicherheit auf Pisten zu erhöhen: Positive Anreize für die Urlauber - Fahrkurse zum vernünftigen Gebrauch von Skiern, gezielte Informationen über das Risiko am Berg. Aber auch Einführung von Pistenpolizisten, Alkotests an Liftstationen, notfalls Skipassentzug, Geldstrafen gegen Raserei. Und Sturzhelmpflicht.

Sage keiner, das sei Panikmache und Scharfmacherei. Das Tohuwabohu auf den Bergen ist längst ein großes Thema unter Skilehrern, Hotelbetreibern, Bergführern. Chirurgen erzählen Horrorgeschichten. Aber man sagt es nicht laut, aus Angst, die zahlungskräftigen Gäste könnten verprellt werde. Das Gegenteil ist der Fall. Tausende Wintersportler würden sich freuen, wenn sie Urlaub ohne Angst vor "Wahnsinnigen" genießen könnten. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2008)