Graz - Mit der neuen Spitzenkandidatin Lisa Rücker (43) hoffen die Grünen, die in Graz in der Vergangenheit immer damit haderten, unter ihrem Potenzial geschlagen zu werden, am 20. Jänner endlich den Sprung in die Stadtregierung zu schaffen: Die ruhige Blonde wirkt weniger ideologisch als ihre Vorgängerin an der Spitze, leidet aber wie diese unter einem eher geringen Bekanntheitsgrad. Als sie den Rat ihres Bundeschefs, die Koalitionsavancen von ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl doch zu prüfen, in den Wind schlug, konnte sie ihr Profil zumindest intern schärfen.

Einer "Koalition" mit der ÖVP, wie Nagl eine engere Zusammenarbeit von Schwarz-Grün "spannend" gefunden hätte, kann Rücker nichts abgewinnen. Zu fundamental seien die Unterschiede. Auf die abschlägige Post nahm Nagl Anleihe in Hollywood: "Die Braut, die sich nicht traut", bedauerte er. Und reizte damit den selbstbewussten Konter: "Heutzutage wird eine Ehe nicht durch den Brautvater arrangiert, sondern die Braut entscheidet selbst, ob, wen und wann". Nachsatz im Blog mit einem Smiley: "Nur, vorher sollte schon die Mitgift geklärt sein."

Den Wahlkampf hat Rücker und ihr Team mit klassischen Grün-Themen bestritten. Weniger Autos, mehr Lebensraum, offener Kulturbetrieb, selbst praktiziert und in den Wahlkampf eingebaut, Eintreten für Menschrechte und Integration. Die Rekord-Feinstaubwerte nach Weihnachten muten - im Verein mit den für heuer abgesagten Gegenmaßnahmen im Verkehr - aus grünem Kalkül wie gut getimt an.

Lisa Rücker, Sozialarbeiterin, Genderexpertin und Mutter von zwei Töchtern (10, 13), hat sich vor drei Jahren als lesbisch geoutet. Laut Eigendefinition ist sie "genießende Stadtbewohnerin, Radfahrerin aus Überzeugung" und tankt Energie am Berg. "Mir schmeckt das Leben in geordnetem Chaos", so ihr Credo. Ihr Ziel: Trotzdem Bürgermeisterin oder zumindest als erste Etappe Stadträtin zu werden. (APA)