Wien - Der General-Partners-Prozess gegen Wolfgang Kössner und weitere ehemalige Vorstände und Manager der 2001 in Konkurs geschlitterten General Partners-Finanzgruppe steht kurz vor dem Abschluss. Am kommenden Freitag dürften nach dann acht Verhandlungstagen bereits die erstinstanzlichen Urteile gesprochen werden. Die Verteidiger der Angeklagten gingen am Dienstag nach dem siebenten Verhandlungstag davon aus, dass es für ihre Mandanten Freisprüche geben wird.

"Die Anklage konnte im bisherigen Verhandlungsverlauf in allen Punkten entkräftet werden", so Manfred Ainedter, Verteidiger von Wolfgang Kössner. Ihm und den weiteren Angeklagte wirft die Staatsanwaltschaft, heute erstmals durch Markus Fussenegger vertreten, schweren gewerbsmäßigen Betrug und Untreue vor.

Der Schöffensenat wird von Richterin Bettina Neubauer geleitet. Neben Wolfgang Kössner (38) finden sich unter den Angeklagten mit Anton Kollmann (50), dem Bruder von Wolfgang Kössner, Martin Kössner (42), Corina Chwala (44) und Gerhard Diesner (45) vier ehemalige Vorstandsmitglieder, sowie der Prokurist der General Commerce Bank (GCB), Rudolf Petritsch (41). Die inkriminierte Schadenssumme liegt allein aus dem Anklagepunkt "Wertpapierrollen" bei 7,6 Mio. Euro. Für alle Angeklagten, die sich im bisherigen Prozessverlauf als "nicht schuldig" bezeichneten, gilt die Unschuldsvermutung.

Rolle von Berthaumieu

Am vorläufig vorletzten Verhandlungstag standen weitere Zeugeneinvernahmen am Programm. Dabei standen Fragen zur Rolle des belgischen Geschäftsmannes Raoul Berthaumieu sowie die über die Raiffeisenkassen Horitschon und Landskron abgewickelten Wertpapiertransaktionen im Mittelpunkt. Auch ein Vertreter der geschädigte SEZ-Holding kam zu Wort.

Berthaumieu war zur Jahresmitte 2000 überraschend als neuer Eigentümervertreter der US-amerikanischen Muttergesellschaft der General Commerce Holding (GCH), der Haupteigentümerin der General Commerce Bank (GCB)und früheren WMP Bank in Österreich aufgetreten. Die ehemalige GCH-Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsrätin der WMP Bank, Alexandra Beier-Cizek, sagte aus, dass für sie damals die Situation beängstigend geworden sei. Sie habe ohne die Zustimmung von Berthaumieu keine Transaktion mehr durchführen dürfen, auch nicht zur Aufrechterhaltung des normalen Geschäftsbetriebes. Berthaumieu sei ein Mann mit "massivem" Auftreten gewesen, sie habe in der Folge auch den Vorstand zurücklegen wollen, zumal sie damals auch schwanger gewesen sei, sie sei aber von Wolfgang Kössner zum Weitermachen überredet worden.

Der inzwischen pensionierte ehemalige Masseverwalter und Aufseher der WMP Bank, Horst Reitböck, sagte aus, Berthaumieu habe sich ihm gegenüber als Geschäftsführer der WMP Bank "geriert". "Ich hatte den Eindruck, was Berthaumieu tut, ist entscheidend", sagte Reitböck. Ab dem Zeitpunkt der Konkurseröffnung im August 2001 war Berthaumieu für ihn dann allerdings wieder verschwunden.

Einigung mit Kärntner Hypo

Berthaumieu habe versucht, mit den anderen involvierten Banken zu verhandeln, unter anderem auch mit der Hypo Alpe Adria Bank (HAAB) und der Creditanstalt (CA). Auch die Vertreter der beiden Raiffeisenkassen Landskron und Horitschon bestätigten heute solche Gespräche, bei denen Berthaumieu auch Geldüberweisungen versprochen habe, die Gespräche seien allerdings ohne konkretes Ergebnis geblieben seien. Mit der Kärntner Hypo habe es hingegen eine Einigung gegeben, berichtete Reitböck. Dabei habe auch eine Berthaumieu nahestehende Pacific Federal Ltd und Liegenschaften in Belgien eine Rolle gespielt, sowie andere "internetbekannte" Personen, wie es Beier-Cizek ausdrückte. Geplatzt sei die von Berthaumieu betriebene Sanierung unter anderem an undurchsichtigen Wertpapiergeschäften mit spanischen Kunden und an den aufgetauchten Berichten über Vorstrafen, berichtete Reitböck.

Die beiden Vertreter der Raiffeisenkassen sagten aus, die Wertpapiertransaktionen der General Partners-Gruppe hätten bis Oktober 2000 immer reibungslos funktioniert, bis die Zahlungen für die Papiere nicht mehr erfolgt seien. Laut früheren Zeugenaussagen hat Berthaumieu einen angekündigten Deal platzen lassen. Der Vertreter der SEZ sagte aus, Petritsch habe immer ordnungsgemäß und übersichtlich über die Wertpapierveranlagungen berichtet. Die breite Streuung des Portfolios sei in ihrem Sinne gewesen, abgesehen davon, dass ein paar hochriskante Aktien dabei waren, die wertlos geworden seien. "Das war natürlich eine unschöne Sache". (APA)