Wien – Wenn Aurel Bacs, International Director des Uhrendepartments bei Christie’s, kommende Woche in Genf das Flugzeug Richtung Wien besteigt, dann tut er das in der Gewissheit, am Ziel einen Schatz zu heben. "Hier habe ich schon die schönsten Überraschungen erlebt. Wien hat mich nie enttäuscht."

Zum einen hat das mit der Lebensart zu tun, "Plaudern, ein Glas Wein mit Sammlern trinken, das macht hier weit mehr Freude als in anderen Metropolen der Welt", streut er Rosen. Und natürlich spielen die hier noch schlummernden Fundstücke eine wesentliche Rolle – jene, die da am Rande des alten Europas überdauert haben, in den Banktresoren oder auch unter dem Kopfkissen. Als Jagdrevier sei etwa Ungarn nicht zu unterschätzen.

Die hundertste silberne Taschenuhr um 1900 wird er nicht zu Gesicht bekommen. Bei solchen Kandidaten überwiegt zumeist der ideelle Wert, den der Markt nicht zu quittieren weiß. Derlei wird vorab selektiert (Termine am 22. und 23. Jänner nur unter Voranmeldung bei Christie’s). In der Schweiz freut man sich derweilen über eine Rekord_bilanz: umgerechnet 135,75 Millionen Euro (plus 22_Prozent gegenüber 2006), wovon allein die Sektion Taschen- und Armbanduhren 34,6 Millionen Euro (56,13 Mio CHF) beitrug. Nicht weniger als 50 neue Weltrekorde durfte man notieren. Ob er im Laufe seiner Karriere bereits aufgehört hat, diese zu zählen? Bacs winkt ab, natürlich sei das ein ganz witziges Thema, aber "die be_liebige Unterteilung kann man auch auf die Spitze treiben – etwa Weltrekord für eine Uhr mit einem Kratzer auf einem Ziffernblatt", so Bacs.

Das sei Haarspalterei, aber wer nicht mitmacht, sei eben auch nicht dabei. Als notwendiges Übel hat er mit dem Thema Weltrekord längst zu leben gelernt, auch damit, dass die Krone für die Kategorie teuerste Uhr der Welt nicht seine ist (Anm.: Patek Philippe Supercomlication, elf Mio Dollar, Sotheby’s New York 1999).

Seit 2006 jagt bei Christie’s ein Um_satzrekord den nächsten, die bisherige Höchstmarke stammt vom 12. November 2007 mit umgerechnet 19,13 Millionen Euro (31 Mio CHF).

Ein Blick auf die Käufer der zehn höchsten Zuschläge belegt anhaltendes institutionelles Engagement. Die Museen von Breguet und Patek gehören zu den Stammkunden. Zehn Prozent der zusammengetragenen Zeitmesser werden an den Handel weitergereicht, die absolute Mehrheit von 80 Prozent an private Sammler. Eine Geheimwaffe, so versichert Bacs angesichts der steigenden Nachfrage, habe man nicht. Es sei denn, das siebenköpfige Genfer Team könnte als solches bezeichnet werden. Man lebe diese Sparte eben, wozu gehört, den Geschmack, die Erwartungen und die Leidenschaft mit den Kunden zu teilen. Ganz ohne auf die Zeit zu achten. (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.1.2008)