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Refco-Legende Phillip Bennett gerät unter Druck. Sein einstiger Stellvertreter Santo Maggio hat sich schuldig bekannt und will gegen Bennett aussagen.

Foto: APA/EPA/Peter Foley
New York/Wien - Der Bawag bleiben Negativschlagzeilen nicht erspart. Auch in den USA, wo nun die Refco-Affäre aufgerollt wird. Die österreichische Bank war zeitweise nicht nur am führenden Brokerhaus beteiligt, sie hat bei den zwielichtigen Machenschaften des 2005 in die Pleite geschlitterten Unternehmens tatkräftig mitgewirkt. In einer Anzeige der US-Wertpapieraufsicht (SEC) ist das ziemlich plastisch nachzulesen: Die Bawag habe mitgeholfen, die Refco-Schulden zu verschleiern, indem sie zwischen 2000 und 2005 jeweils zum Jahresstichtag Ende Februar Kredite gewährt habe.

Diese wurden dann kurz nach dem Ultimo wieder ausgebucht. Zur Verschleierung der massiven Verluste mit veranlagten Kundengeldern wurde eine Dreiecksbeziehung aufgezogen, bei der eine private Firma von Refco-Gründer Phillip Bennett, die Bawag und Refco die Gelder herumschoben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung, die Ex-Bawag-Organe sind dank eines kostspieligen Vergleichs vor strafrechtlicher Verfolgung in den USA gefeit.

Eng wird es für Bennett, der seine Unschuld beteuert. Kürzlich hat die Ex-Nummer zwei bei Refco, Vice President Santo Maggio, seine Schuld eingestanden. Er will zudem mit den Behörden zusammenarbeiten und gegen Bennett sowie die Mitangeklagten aussagen, im Gegenzug darf er auf Strafmilderung hoffen.

Ebenfalls ins Visier der Staatsanwaltschaft: Anwalt und Wirtschaftsprüfer von Refco. Neben der strafrechtlichen Dimension geht es um riesige Schadenersatzforderungen. Der Fonds Thomas H. Lee etwa hat nur ein Jahr vor der Refco-Pleite 1,9 Milliarden Dollar in die Firma investiert.

Beziehungen zu Refco pflegte auch der ÖGB - über seine Privatstiftung Desana. Die Bawag finanzierte Bennett mit rund 500 Mio. "den Rauskauf von Altaktionären". Um Spuren zu Wolfgang Flöttls "Vergangenheit" und den Bawag-Stiftungen Bensor und Co. zu verwischen, gründete ÖGB-Finanzer Günter Weninger die Desana. Er selbst erfuhr erst beim Kollaps, dass er damit den ÖGB ins Refco-Debakel hineingezogen hatte. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.01.2008)