Wien - Die Wirtschaftsprüfer der KPMG beschäftigen sich jahrelang mit der Bawag und daher mit dem ÖGB und seinen Töchtern. Am 27. August 2004 (im Juni hatte der ÖGB der Bayern LB ihren 46-prozentigen Bawag-Anteil abgekauft) machten sich die Prüfer Gedanken über die neue Eigentümerstruktur.

Unter dem Titel "Eigentümerfragen Turandot" verfasste einer von ihnen ein Memo, in dem auch die Konditionen beschrieben sind: Die Solidaritätsprivatstiftung (ÖGSP) hielt 49 Prozent; der ÖGB fünf und seine Vermögensverwaltungstochter ÖVV 46 Prozent an der Bawag. Die Bayern haben den Kauf mit 372 Millionen Euro auf fünf Jahre kreditiert, um Euribor plus 61 Basispunkte. Zudem musste der ÖGB die ÖVV mit 150 Mio. Euro Nachrangkapital ausstatten - Geld, das er sich von der Bawag ausborgen musste.

Das "Asset" der Privatstiftung, die 49 Prozent an der Bawag, war aber "nahezu wertlos", wusste die KPMG schon damals. Denn sowohl Recht auf Dividende als auch Stimmrechte behielt sich der ÖGB in Form eines Fruchtgenussrechtes, das frühestens 2022 aufgelöst werden hätte können.

Ringelspiel

Das Problem: Die ÖGSP hat damals für die Bawag-Verluste gehaftet, der gesicherte Betrag sei laut KPMG aber bei weitem nicht abgedeckt gewesen. Die KPMG-Prüfer forderten daher schon damals Konsequenzen, und haben - laut Thomas Kepperts Bilanzgutachten - Elsner, Weninger und Zwettler informiert. Wenig später ging das Haftungsringelspiel weiter: 2005 musste die ÖVV mit einer Garantieerklärung einsteigen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.01.2008)