Madrid - Ein spanischer Richter hat Guatemala vorgeworfen, ehemalige Militärherrscher, die des Völkermords beschuldigt werden, vor Strafverfolgung zu schützen. Der Jurist Santiago Pedraz, Ermittlungsrichter am Nationalen Gerichtshof in Madrid, bezog sich damit auf eine Entscheidung des Verfassungsgerichts des mittelamerikanischen Landes, ein Verfahren gegen frühere Militärherrscher einzustellen. "Guatemala reiht sich damit in die Gruppe der Staaten ein, die ihren internationalen Verpflichtungen nicht nachkommen und die Verteidigung der Menschenrechte missachten."

Der Richter erließ nach spanischen Presseberichten vom Donnerstag einen internationalen Appell, die Ermittlungen gegen die Ex- Militärherrscher zu unterstützen. Pedraz ermittelt gegen fünf guatemaltekische Ex-Militärs und zwei Zivilisten. Dazu gehören die früheren Militärherrscher General Efrain Rios Montt (1982-1983) und General Oscar Umberto Mejias Victores (1983-1986).

Der Richter wies darauf hin, dass die in Spanien erlassenen, internationalen Haftbefehle gegen die Verdächtigen weiterhin in Kraft seien. Die spanische Justiz hatte die Ermittlungen aufgrund einer Klage der guatemaltekischen Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu eingeleitet. In Guatemala waren zwischen 1962 und 1996 infolge von Diktatur und Bürgerkrieg etwa 200 000 Menschen ums Leben gekommen. (APA/dpa)