Wien - Justizministerin Maria Berger (S) erwägt eine deutliche Senkung des Mindeststammkapitals für Gesellschaften mit beschränkter Haftung(GmbH). "Ein Mindeststammkapital von 10.000 Euro ist denkbar", hieß es aus dem Justizministerium.

Derzeit müssen Gründer einer GmbH in Österreich das europaweit höchste Mindeststammkapital von 35.000 Euro aufbringen. Vor allem Unternehmen im Dienstleistungssektor benötigten oft kein so hohes Startkapital, um sinnvoll wirtschaften und sich zu einem florierenden Unternehmen entwickeln zu können.

Gläubigerschutz muss gestärkt werden

Mit der Senkung müsse aber auch der Gläubigerschutz gestärkt werden, betont man im Justizministerium. Geprüft werden jetzt strengere Haftungsregelungen für Gesellschafter und Geschäftsführer und etwa das Verbot, nach einem verschuldeten Konkurs binnen einer gewissen Frist als Geschäftsführer tätig zu werden.

Ein-Euro-GmbH kommt nicht

Firmengründer werden auf die Erleichterung ihres Starts auch noch einige Zeit warten müssen: Der Begutachtungsentwurf soll erst Anfang 2009 kommen. Ob auch die Notariatspflicht für die Eintragung einer GmbH fallen könnte, darauf wollte sich Justizministerin Berger in einem Interview mit dem "Kurier" (Freitag-Ausgabe) vorerst nicht festlegen. In der Zeitung betonte sie aber, dass Österreich "im europaweiten Vergleich ein Alleinstellungsmerkmal der besonderen Art hat, was sich im Wettbewerb negativ auswirkt". Man müsse "das Angebot in der österreichischen Rechtsordnung für Unternehmensgründungen wettbewerbsfähig halten". Eine Absenkung des Mindestkapitals in Ausnahmefällen auf einen Euro wie in Deutschland schloss sie ungeachtet dessen im "Kurier" aus. (APA)