Bei der Eröffnung singt Fußball-Fan José Carreras, ein "Fußballett" wird vorgeführt und die passende Starriege – von Otto Rehagel bis Franz Beckenbauer – ist auch geladen.

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Wien – "230 Euro!? Das würde ich nicht bezahlen", platzte Staatsoperndirektor Ioan Holender am Donnerstag in einem zum Bersten vollen Marmorsaal in der Staatsoper heraus, als er erfuhr, was eine einfache Eintrittskarte zum Opernball 2008 kostet. Im Großen und Ganzen blieb es bei der Präsentation zum "Ball der Bälle" aber bei einigen wenigen Seitenhieben Holenders auf jenen "einzigen Abend, an dem auf einmal interessant ist, was in der Oper passiert". Zuvor hatte der Operndirektor noch den Event, der heuer am 31. Jänner stattfindet, als "Ball der Republik" bezeichnet und die Arbeit von Desirée Treichl-Stürgkh gewürdigt.

Die neue Ballorganisatorin verkündete – wie sie selbst sagte "sehr nervös" – vor zahlreichen Kameras, Journalisten und Fotografen ihre Neuerungen, wie etwa den Aufbau eines 50 Quadratmeter großen Entrées vor der Oper. Nachdem heuer Schluss sein soll mit der "Schlacht auf der Feststiege" (Holender), sollen Fotografen und Kameraleute neben einem roten Teppich vor der Oper um die besten Bilder kämpfen. Für die Anfahrt wird eine Stunde vor Einlass ein Teil des Ringes gesperrt.

Rot geht es auch im Inneren der Oper weiter, die heuer rosarote und rote Blumen schmücken. Bei einer rosafarbenen Bar gibt es pinke Drinks. Statt Fächern bekommen Ballbesucher heuer Operngucker, sogenannte Zoomer. Damit lassen sich etwa die dieses Jahr sehr modern anmutenden Swarovski-Krönchen der Debütantinnen begutachten.

Zum Rot des Balles passt auch die den Event dominierende EURO 08 farblich. Dieses Jahr soll sich zeigen, was Fuß- und Opernball gemeinsam haben: So wird in der Staatsoper ein eigens von Giorgio Madia choreografiertes "Fußballett" vorgeführt werden, das ein Fußballmatch in Kurzform imitieren soll. Startenor José Carreras, als großer Fußballfan bekannt, singt bei der Eröffnung.

Der EM-Siegerpokal, wird einen Ehrenplatz bei der Feststiege erhalten, an dem sämtliche Ehrengäste vorbeiziehen werden: Heinz Palme, Euro-Koordinator der Bundesregierung, kündigte das Kommen der griechischen Sängerin Nana Mouskuri, des Griechenland-Trainers Otto Rehagel, des "Kaisers" Franz Beckenbauer und des Schweizer Bundespräsidenten Pascal Couchepin an. Und Palme kürte Holender zum "Botschafter der Leidenschaft" für die EM. Seine Reaktion: "Wenn wir es schaffen, dass sich nur ein Prozent der Fußballfans auch für die Oper interessiert, dann haben wir keine Probleme mehr."

Der Andrang auf die Ballkarten ist ungebrochen: Das Tanzereignis ist ausverkauft. Es gibt 47 Donatoren, 109 Logen werden vermietet. Im Vorjahr wurden mit dem Verkauf von 7230 Karten 3,5 Millionen Euro eingenommen.

"kultig und schön"

Eine Loge gehört auch heuer Baumeister Richard Lugner. Zu dessen Stargast, Stripperin und Model Dita von Teese, wollte Holender nicht viel sagen, außer: "Das ist genausowenig der Opernball, wie es Österreich ist, was eine gewisse Frau Susanne Winter von sich gibt." Treichl-Stürgkh versagte sich jeden Kommentar, als Privatperson finde sie Dita von Teese "kultig".

Wer sich selbst eine Meinung bilden möchte, bekommt dazu auch daheim wieder Gelegenheit: Der ORF überträgt ab 20.15 Uhr auf ORF 2. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 18. Jänner 2008)