Graz war schon immer irgendwie anders und brachte für österreichische Verhältnisse bisweilen neue politische Blüten zu Tage. In Graz wuchs österreichweit erstmals auf politischem Boden eine grün-alternative Bewegung heran.

1978, im Soge der Auseinandersetzungen um die Errichtung des Atomkraftwerkes Zwentendorf, wurde hier die Alternative Liste Graz (ALG) gegründet.1983 gewann die ALG bei den Grazer Gemeinderatswahlen auf Anhieb sieben Prozent, ein Niveau, das trotz bundesweiter Etablierung der Grünen in den Folgejahren nicht ausgebaut werden konnte.

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Freiheitlichen noch weit weg von einem "Jörg-Haider-Hype" waren, erlebte die FPÖ in Graz mit dem sehr rechts orientierten Alexander Götz einen Höhenflug. Götz wurde 1973 Bürgermeister der Stadt Graz und avancierte 1978 zum FPÖ-Bundesparteiobmann.

1983 kam die steirische Landeshauptstadt abermals bundesweit mit einem bis dahin außergewöhnlichen politischen Experiment in die Schlagzeilen. Die SPÖ, die von 52 Prozent gestartet war, erreichte gerade noch einmal 42 Prozent, die ÖVP kam auf 32 Prozent und man konnte sich auch in monatelangen harten Verhandlungen nicht auf einen Bürgermeisterkandidaten einigen.

SPÖ und ÖVP lösten das Problem salomonisch mit einer Halbzeitlösung. Den Beginn machte ÖVP-Bürgermeister Franz Hasiba, die zweite Hälfte der Legislaturperiode übernahm SPÖ-Bürgermeister Alfred Stingl. Kaum inthronisiert hatte das Polit-Paar auch schon einen Namen: "Hasibingl".

Der Deal hatte vor allem für die SPÖ einen Vorteil. Stingl ging als Bürgermeister samt Bonus in die nächste Wahl und blieb dann auch die nächsten Perioden als Bürgermeister im Amt, ehe er 2003 von seinem politischen "Ziehsohn", dem jetzigen ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl, abgelöst wurde. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2008)