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Unicef-Foto des Jahres 2007: Hochzeit in Afghanistan zwischen einem 40-jährigen Bauern mit einer Elfjährigen. - Und was beweist das?

Foto: EPA
"Wir" und Mohammed (I): Soll die jüngste Islam-Exegese einer FP-Abgeordneten überhaupt diskutiert werden? Der Autor des folgenden Beitrags erachtet dies als "Akt der Redlichkeit" - und als ein Gebot der Sicherheit, auf ein Autorenfoto verzichten.

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Gewiss: Der Ton macht die Musik. Und es darf angenommen werden, dass sich die Grazer FPÖ-Frontfrau Susanne Winter mit ihren Angriffen auf den Islam eines polemischen Duktus bedient hat, der auch in Wahlkampfzeiten von den Geschmacksnerven außerparteilicher Beobachter zu Recht als Provokation empfunden wird.

Sie ist dafür mit folgenden Worten bedacht worden: Hassprediger, Respektlosigkeit, Volksverhetzung, menschenverachtend, unsachlich, Unwahrheit, Intoleranz, Brunnenvergiftung, Extremismus, Verletzung religiöser Gefühle (unvollständige Auswahl). Aber es ist durchaus der Erwähnung wert, dass es keiner der Politiker und Kommentatoren, die sich in einem blitzartigen Schutzreflex vor den Islam stellten, der Mühe Wert fand, auf den Inhalt der Vorhaltungen auch nur einzugehen oder gar den Versuch einer Widerlegung zu machen.

Wie lauteten die inkriminierten Aussagen? - Mohammed wäre aus heutiger Sicht ein Kinderschänder gewesen, der den Koran in epileptischen Anfällen verfasste und der seine Religion als Feldherr verbreitete. Der Islam sei ein totalitäres Herrschaftssystem. Es muss erlaubt sein zu fragen, was daran unwahr ist, wie das etwa der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft und SPÖ-Mandatar Omar Al-Rawi empört behauptete.

Neben dem Koran zählen die Hadithsammlungen zu den verbindlichen Offenbarungstexten im Islam. Die Sammlungen der höchstrangigen Autoritäten Al Buchari und Ibn Muslim werden in ihrer Authentizität von keinem kundigen Moslem in Zweifel gezogen. An zahlreichen Stellen liest man dort etwa wörtlich: "Aischa (Lieblingsfrau des Propheten, Anm.) erzählte: Ich war sechs Jahre alt, als ich mit Mohammed verheiratet wurde. Nachdem ich neun Jahre alt war, begann Mohammed, mit mir sexuellen Verkehr zu haben." Der jeweilige Kontext der Erzählungen lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Wie darf man einen derartigen Vorgang in unseren Breiten heute bezeichnen? Vielleicht als "Recht auf Kinderliebe"?

Religionshetze?

Dass Mohammeds Vorlieben keine bloße historische Belanglosigkeit ohne Bezug zum Islam der Gegenwart sind, zeigt, dass alle islamischen Rechtsschulen Kinderehen und ihre Verfügung durch Väter und Onkeln explizit unter Verweis auf Mohammeds Verbindung mit Aischa legitimieren. Das ist gültiges islamisches Recht. Und es ist organischer Bestandteil des islamischen Bildes der Frau, die als unrein und Mensch zweiter Klasse definiert und der Verfügungsgewalt des Mannes unterstellt wird. Das UNICEF-Bild des Jahres 2007 dokumentiert eindrucksvoll die Praxis der islamischen Kinderehe. Es ist unbegreiflich, dass Musterschülerinnen der Emanzipationsbewegung, wie die Grüne Präsidenten Eva Glawischnig, diesbezügliche Islamkritik als "beispiellose Religionshetze" qualifizieren.

Im Islam gilt die völlige Verschmelzung von Religion und sozialer sowie politischer Ordnung als Ausdruck des Willens Allahs, wohingegen die Vorstellung eines von Menschen gemachten, demokratisch legitimierten Rechts in einem säkularen Staat als arge Gotteslästerung betrachtet wird. Das in Österreich lange als Schullehrbuch verwendete Werk "Erlaubtes und Verbotenes im Islam" des Gelehrten Al-Qaradawi belegt dies ebenso wie der aktuell gültige Lehrplan für islamischen Religionsunterricht in Österreich. Ist das bloß konsequente Wertevermittlung? Oder darf das nicht doch - in Übereinstimmung mit der gängigen politologischen Klassifikation - als Ausdruck eines totalitären Herrschaftsanspruches bezeichnet werden?

Mohammed und seine Nachfolger haben den Islam mithilfe teils sehr grausamer Angriffskriege verbreitet. Es gibt bis heute kein Land, dessen Bewohner den Islam freiwillig und ohne Gewaltanwendung übernommen haben. Wie ist dieser Vorgang zu qualifizieren? Als eine friedliebende Mission oder eine auf Toleranz aufgebaute Überzeugungsarbeit? Oder vielleicht doch eher als gewalttätige Usurpation eines erfolgreichen Feldherrn und seiner Anhänger, die den Auftrag haben, das "Haus des Krieges" in das "Haus des Islam" zu verwandeln.

Vielleicht sind wir ja gerade dabei, den Gegenbeweis für den militärisch offensiven Islam anzutreten und sehen der Islamisierung unseres Kontinents, wie von Türkei-Premier Erdogan proklamiert, mit den Mitteln der Migration und der demoskopischen Transformation wehrlos zu. Es wäre eine echte Weltpremiere des Islam, sich dabei auf die Toleranz der Europäer mehr stützen zu können als auf die eigenen Instrumente. All diese Vorgänge ebenso wenig thematisieren zu dürfen wie das, was der Islam in seinen Offenbarungstexten über sich selbst sagt, ist eine besonders schlimme und folgenreiche Form der Errichtung eines Tabus. Und es wäre in der Tat "des Ende der Wahrheit" (Hayek).

Totschlagsargument

Es ist ein Akt intellektueller Redlichkeit, die Quellen, auf die sich die Muslime selbst berufen, zitieren und die Ausbreitungsgeschichte des Islam referieren zu dürfen. Und es ist ein Akt der Selbstbehauptung des mitteleuropäischen Erfolgsmodells, von den Vertretern der Muslime den Nachweis der Anpassung ihrer Lehre an die Wertebasis unserer Gemeinschaft einzufordern. Dies als "Ausgrenzung" und "menschenverachtenden Rassismus" zu definieren ist ein inakzeptables Totschlagsargument. Denn "die Wahrheit ist den Menschen zumutbar" (Karl Popper). (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2008)