Justizministerin Maria Berger hält nichts von den Überlegungen der ÖVP, Erziehungscamps für straffällige Jugendliche einzurichten und Strafen zu verschärfen. Sie hält die Betreuung, Ausbildung und Begleitung der jugendlichen Straftäter, wie sie in Österreich etwa in der Justizanstalt Gerasdorf praktiziert wird, für wesentlich sinnvoller als "militärischen Drill und das Brechen von Willen" in Camps. Deshalb lade sie die ÖVP ein, sich auch dieses österreichische Beispiel anzuschauen, sagte Berger am Freitag gegenüber der APA.

Sie habe aber nichts dagegen, wenn die ÖVP - wie gestern bei der Jahresauftaktklausur beschlossen - nun internationale Beispiele für Erziehungscamps prüfen will. "Das wird ergeben, dass der Jugendstrafvollzug in Österreich immer noch ein guter ist" - auch wenn man mehr Geld, mehr Personal und mehr Platz brauche. Deshalb sei es auch notwendig, in Wien wieder einen Jugendgerichtshof zu bauen, samt angeschlossener Strafanstalt. Neben intensiver Prävention sei es im Fall einer Straftat wichtig, dass "Richter, Pädagogen und Sozialarbeiter sich mit vereinten Kräften bemühen, den Jugendlichen wieder auf eine vernünftige Bahn zu bringen".

Österreich habe, solange es den - 2002 von Schwarz-Blau aufgelösten - Jugendgerichtshof gab, international als Vorbild gegolten, das nachgeahmt wurde. "Trotz aller Einschränkungen" werde auch heute noch im Jugendstrafvollzug - speziell in Gerasdorf - gute Arbeit geleistet. Dort könnten Jugendliche die Schule abschließen, einen Beruf lernen, und es gebe auch ein umfassendes Sportprogramm. Mit "militärischem Drill und dem Brechen des Willens" - wie es in Camps praktiziert werde -, erreiche man nur das Gegenteil eines integrationsfähigen Jugendlichen. US-Beispiele würden zeigen, dass so behandelte jugendliche Straftäter dann besonders gewaltbereit, willenlos und unselbstständig seien.

Strenges Recht

Was das Jugendstrafrecht betrifft, sei Österreich im Vergleich - auch zu Deutschland - ohnehin "sehr streng". "Wir haben wesentlich mehr Jugendliche in Strafhaft, etwa auch im Vergleich zu Schweiz". Und höhere Strafrahmen seien immer nur "sehr eingeschränkt" wirksam, betonte Berger.

Die Justizministerin verwies auch darauf, dass die Jugendkriminalität in den vergangenen Jahren bei weitem nicht so stark gestiegen ist wie anhand der Kriminalstatistik dargestellt. Die Aussage, dass die Zahl der angezeigten Jugendlichen von 2001 auf 2007 um 150 bis 200 Prozent angewachsen ist, wies sie falsch zurück. Man könne die Statistiken 2001 und 2007 nicht vergleichen, weil anders gezählt wurde. 2001 wurden die Delikte nicht einzeln erfasst, sondern wurden - wenn es mehrere waren - bei einem Täter zusammengefasst. 2007 fand hingegen jedes Delikt einzeln Eingang in die Statistik, erklärte Berger. (APA)