Saarbrücken - Der Regisseur Andre Erkau hat für seinen Film "Selbstgespräche" den 29. Max Ophüls Preis gewonnen. Die renommierte Auszeichnung erhielt der 39-Jährige am Samstagabend in Saarbrücken. Erkau verfolge mit zärtlicher Ironie gescheiterte Existenzen, die sich nicht unterkriegen lassen wollen, hieß es in der Begründung der Jury. In dem Ensemble-Film - unter anderem mit Maximilian Brückner und August Zirner - wird ein Call-Center zum Mikrokosmos der Gesellschaft, deren Sprachlosigkeit im Zeitalter der totalen Vernetzung immer offenkundiger wird.

Wichtiges Forum für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm

Das 1980 von der Stadt Saarbrücken gegründete einwöchige Filmfestival Max Ophüls Preis gilt als erster größerer Wettbewerb des Jahres in Expertenkreisen als eines der wichtigsten Foren für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm. In der Festival-Jury für Kurz- und Langfilm saßen in diesem Jahr Produzent Josef Aichholzer, Schauspielerin und Produzentin Senta Berger, Schauspieler und Regisseur Christopher Buchholz, Regisseurin Sung-Hyung Cho und die Journalistin Anke Leweke.

Nachwuchsschauspieler

Bester Nachwuchsschauspieler ist Jörg Pohl, der für seine Leistung in dem Film "Nichts geht mehr" ausgezeichnet wurde. Dem aus dem Ruhrgebiet stammenden 28-Jährigen sei es gelungen, seine Rolle mit verblüffender Zurückhaltung zu spielen, heißt es in dem Jury-Urteil. Mit schauspielerischer Präzision und großer Souveränität mache er die Figur des Konstantin zu einem berührenden stillen Helden. Der mit 7.500 Euro dotierte und in diesem Jahr erstmals vergebene Förderpreis für mittellange Filme ging an den Autor und Regisseur Stefan Schaller für "Böse Bilder".

Für ihren 13-minütigen Film "Dunkelrot" erhielt die Regisseurin Frauke Thielecke den begehrten Kurzfilmpreis des Festivals. Zur besten Nachwuchsschauspielerin kürte die Jury Alice Dwyer. Die 19-Jährige war gleich in zwei Filmen zu sehen und wurde für ihre Rollen in "Höhere Gewalt" von Lars Henning Jung und als Sik in "Die Tränen meiner Mutter" von Alejandro Cardenas-Amelio ausgezeichnet.

Publikumspreis

Den Filmpreis des saarländischen Ministerpräsidenten gewann die Regisseurin Alexandra Westmeier für ihre Dokumentation "Allein in vier Wänden". Ihre Leistung sei es, das Schicksal von Heimkindern in großen Kinobildern erzählt zu haben. Dafür wurde sie zudem mit dem Dokumentarfilmpreis des Festivals bedacht. Der Publikumspreis ging an an den Film "Novemberkind" von Regisseurs Christian Schwochow.

Die 29. Auflage des Filmfestivals war am vergangenen Montag eröffnet worden und geht offiziell an diesem Sonntag zu Ende. Das umfangreiche Rahmenprogramm widmete sich ein Jahr vor dem 30. Geburtstag des Festivals unter anderem den Karrieren früherer Preisträger, die unter dem Motto "Film & Karriere" eigene Werke zeigten. Insgesamt waren allein für den Wettbewerb Langfilm 202 Spiel- und Dokumentarfilme eingereicht worden.

Der aus jüdischer Familie stammende Film- und Theaterregisseur Max Ophüls wurde 1902 in Saarbrücken geboren. In den 20er Jahren war er auch am Wiener Burgtheater tätig. In der Nazi-Zeit floh Ophüls nach Frankreich und später in die USA. Er starb 1957 in Hamburg. (APA/dpa)