Pristina/Belgrad - Die EU-Kommission hat den Sieg des Nationalisten Tomislav Nikolic in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Serbien "zur Kenntnis genommen". Eine Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn sagte weites am Montag in Brüssel, die Kommission begrüße die hohe Wahlbeteiligung. Dies sei "ein Zeichen dafür, dass die Bürger ihre demokratischen Rechte ausüben".

EU-Außenbeauftragter Javier Solana zeigte sich in einer von seinem Büro am Montag verbreiteten ersten Reaktion zuversichtlich, dass Serbien seinen pro-europäischen Kurs fortsetzen werde und dass Fortschritte auf dem Weg des Landes in die EU erreicht werden könnten.

Der Vize-Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament, Hannes Swoboda, nannte das vorläufige Ergebnis der Wahl "enttäuschend". Vonseiten der EU sei es nun notwendig, "mit Gelassenheit zu reagieren, um die nationalistischen und antieuropäischen Strömungen in Serbien nicht weiter zu stärken."

Als "besonders bedauerlich" bezeichnete Swoboda auch die Haltung der niederländischen Regierung gegen die Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) mit Serbien. "Damit wird die EU gehindert, die proeuropäischen Kräfte in Serbien zu unterstützen. Unfair ist die Haltung nicht zuletzt deshalb, weil von der holländischen Regierung im Falle Kroatiens die Auslieferung der meistgesuchten vermeintlichen Kriegsverbrecher keine Voraussetzung für die Unterzeichnung des SAA war. Bei Serbien soll dies nun der Fall sein", kritisierte Swoboda.

"Innere Angelegenheit"

In der Hauptstadt des Kosovo wird der serbischen Präsidentenwahl keine größere Bedeutung beigemessen. Der Sieg des Ultranationalisten Tomislav Nikolic am Sonntag wird von kosovoalbanischen Behörden als eine "innere Angelegenheit Serbiens" angesehen, berichtete der Belgrader Sender B-92 am Montag.

"Wir sehen keinen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten. Der politische Diskurs von (Amtsinhaber, Anm.) Boris Tadic war im Wahlkampf sogar radikaler als jener von Nikolic", meinte Xhavid Beqiri, ein Sprecher des kosovarischen Präsidenten Fatmir Sejdiu.

Auch nach Ansicht des Vizepremiers Hajredin Kuqi können die politischen Kräfte in Serbien die angestrebte Unabhängigkeit des Kosovo "weder stören noch bedrohen". Daher sei auch egal, wer in Belgrad an der Macht sei.

Die Präsidentschaftswahl in Serbien gilt als richtungsweisend für den künftigen Europa-Kurs des Landes. Während Amtsinhaber Boris Tadic für eine weitere Integration Serbiens in der EU - trotz des drohenden Verlusts des Kosovo - plädiert, tritt Nikolic für eine stärkere Anbindung seines Landes an Russland ein. Nikolic will zudem die diplomatischen Beziehungen mit allen die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennenden EU-Staaten auf ein Minimum reduzieren.

Wie die Wahlkommission in der Nacht auf Montag nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen mitteilte, kam Nikolic auf 39,6 Prozent der Stimmen. Auf Tadic entfielen demnach 35,5 Prozent. Beide Politiker treffen nun in einer Stichwahl am 3. Februar aufeinander. (Schluss) ths/vos

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Die Friedenstruppe KFOR im Kosovo hat gelassen auf den Sieg des Ultranationalisten und NATO-Gegners Tomislav Nikolic in der ersten Runde der serbischen Präsidentenwahl reagiert. "Aus meiner Sicht hat das Ergebnis der Wahl in Serbien auf die unmittelbare Sicherheitslage im Kosovo keine Auswirkung", sagte der stellvertretende KFOR-Kommandant, der deutsche General Gerhard Stelz, am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Pristina. Die Wahl sei "unspektakulär, ruhig und ohne irgendwelche Zwischenfälle" verlaufen. "Dies ist auch vom zweiten Wahlgang am 3. Februar zu erwarten."

Stelz sagte, die Entscheidung zwischen Nikolic und dem pro-westlichen Boris Tadic werde allerdings einen Einfluss auf die politische Haltung Belgrads zum Kosovo haben. Obwohl beide eine Unabhängigkeit des Kosovo ablehnen, zeigten sie dennoch in Nuancen unterschiedliche Meinungen. "Dies wird politisch zum Tragen kommen." Nach Ansicht des Deutschen ist derzeit noch nicht absehbar, wann die KFOR-Truppen aus dem Kosovo abgezogen werden können. Auch nach einer allgemein bald erwarteten Unabhängigkeitserklärung müssten die Truppen noch im Land bleiben. Es sei davon auszugehen, "dass KFOR seinen Auftrag so lange wahrnehmen wird, bis die Sicherheitskräfte des Kosovo in der Lage sind, Sicherheit und Stabilität selbstständig zu gewährleisten".

Auseinandersetzungen

Stelz äußerte sich auch zuversichtlich, dass die KFOR nach einer Unabhängigkeit die Lage im an Serbien grenzenden Norden des Kosovo unter Kontrolle halten könne. In der dortigen Stadt Mitrovica war es in der Vergangenheit zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen; die Stadt ist de facto geteilt in einen serbischen Nord- und einen albanischen Südteil. Die KFOR verfolge die Entwicklung in und um Mitrovica mit der gebotenen Wachsamkeit und sei darauf eingestellt, angemessen zu reagieren.

"Wir werden in Zusammenwirken mit den Polizeikräften ein sicheres Umfeld für die Menschen dort gewährleisten", sagte Stelz. Im Übrigen hätten die KFOR-Verantwortlichen den Menschen auf beiden Seiten der Stadt deutlich gemacht, dass sie keinerlei Gewalt tolerieren werden. "Diese Botschaft wird nach meiner Meinung verstanden und bisher auch akzeptiert." (APA)