Wien - Die FPÖ hat sich zwar mehr erwartet und ist auch an ihre früheren Ergebnisse in der steirischen Landeshauptstadt bei weitem nicht heran gekommen. Aber die Grazer Gemeinderatswahl gestern, Sonntag, brachte den Blauen den ersten wirklich deutlichen Zuwachs seit ihrem Abschied aus der Bundesregierung im Jahr 2005. Die Zahl der Wähler stieg im Vergleich zur Wahl 2003 um fast 40 Prozent (vorläufiges Endergebnis ohne Brief-Wahlkarten). Bei der Nationalratswahl 2006 betrug der Wählerzuwachs in Graz 6,2 Prozent - etwas mehr als die bundesweit 5,8 Prozent.

Beispiellpser Abstieg

Der Eintritt in die schwarz-blauen Koalition hatte der - damals noch geeinten - FPÖ einen beispiellosen Abstieg beschert. Von 2000 bis zur Nationalratswahl 2006 verlor sie bei jeder Landes- oder Bundeswahl Wählerstimmen, und zwar durchschnittlich 50 Prozent. So wurde es schon als Erfolg und Kehrtwende gefeiert, als sich nach der Abspaltung des BZÖ die FPÖ unter ihrem neuen Chef Heinz-Christian Strache bei der Wiener Gemeinderats- und Landtagswahl 2005 "nur mehr" 30 Prozent der früheren Wähler verabschiedeten.

Kehrtwende

Bei der Nationalratswahl 2006 gab es dann die ersten Zuwächse seit 1999. Und die gestrige Grazer Wahl lässt auf eine tatsächliche Kehrtwende für die FPÖ schließen. Angesichts der Umfrageergebnisse vor der Wahl waren ja noch deutlich höhere Zugewinne für möglich gehalten worden - die wegen der islamfeindlichen Aussagen der Spitzenkandidatin Susanne Winter eine Woche vor der Wahl aber nicht lukriert wurden.

Potenzial noch größer

Dass das Potenzial für die FPÖ in Graz gestern größer gewesen wäre, zeigt der Vergleich mit der Nationalratswahl am 1. Oktober 2006. Damals wählten 14.300 Grazer blau, bei der gestrigen Gemeinderatswahl waren es 12.046. Bei der Landtagswahl im Oktober 2005 konnte die FPÖ in der Landeshauptstadt allerdings nur 6.295 Wähler (5,4 Prozent) für sich gewinnen (um fast 60 Prozent weniger als 2000) - die fand aber auch wenige Monate nach der Abspaltung des BZÖ statt.

Die steirische Landeshauptstadt war früher eine national-liberale Hochburg: In ihren Spitzenzeiten konnte die FPÖ unter Jörg Haider dort bei der Nationalratswahl 1999 sogar über 36.000 Wähler bzw. über 30 Prozent und bei der Gemeinderatswahl 1998 fast 30.000 Wähler (26,8 Prozent) für sich gewinnen. Von 1973 bis 1983 wurde Graz von dem FPÖ-Bürgermeister Alexander Götz - in einer schwarz-blauen Koalition - regiert.

Platz fünf

Dass die FPÖ in dieser Stadt jetzt nur mehr auf dem fünften Platz hinter den Grünen rangiert, liegt auch an der Abspaltung des BZÖ. Denn - rein rechnerisch betrachtet - kommen BZÖ und FPÖ auf 17.000 Stimmen und mehr als 15 Prozent - womit sie die Grünen überholt hätten. (APA)