Hamburg - Etwa ein Drittel des weltweiten Fischfangs erfolgt nach Angaben der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) illegal. "Die Zahlen, die auf dem Tisch liegen, sind frappierend", sagte Karoline Schacht vom Internationalen WWF-Zentrum für Meeresschutz in Hamburg. Sie beruft sich auf Schätzungen internationaler Organisationen zur sogenannten "IUU-Fischerei" ("illegal, ungemeldet, unreguliert"). "Damit verursacht die illegale Fischerei nicht nur schwere ökologische Schäden in den ohnehin gefährdeten Fischbeständen. Es entsteht auch ein immenser finanzieller Schaden für legal tätige Fischer."

"Illegale Fischerei ist im Prinzip ein internationales Geschäft, das alle Regionen und Fischsorten betrifft", sagte Schacht. Schwerpunkte lägen bei besonders gewinnbringenden Arten wie Roter Tunfisch, Schwarzer Seehecht und Kabeljau. Verheerende Ausmaße habe die Ausbeutung der Bestände in den vergangenen Jahren vor den Küsten von Entwicklungsländern angenommen, die ihre nationalen 200-Seemeilen-Wirtschaftszonen nicht ausreichend überwachen könnten. "Vor allem vor Westafrika ist das ein brennendes Problem", erläuterte die Meeresbiologin.

Europa keine "Insel der Glückseligen"

Die an rechtswidrigen Fischzügen beteiligten Schiffe operieren nach Angaben von Schacht oft unter Billigflaggen im Auftrag von Reedern aus Ostasien. "Die Drahtzieher zahlen weder Fischerei-Lizenzen noch Sozialabgaben für ihre Mannschaft noch Steuern. Zudem setzen sie vorschriftswidrige Techniken ein, um die Ausbeute zu erhöhen. Illegale Fischer halten sich an keine Regel."

Zugleich warnte die WWF-Expertin davor, vorschnell mit dem Finger auf einzelne Staaten zu zeigen. "Es ist kein Problem einzelner Länder", sagte sie. "Auch wir in Europa leben nicht auf einer Insel der Glückseligen." So betrieben EU-Fischer in heimischen Gewässern ebenfalls illegale Fischerei. Zudem ende ein Großteil der weltweiten Schwarzfänge im Wert von bis zu zehn Milliarden Euro auf dem europäischen Markt. Bisher sei es der EU nur teilweise gelungen, ihre Häfen für diese zu schließen. Nötig sei deshalb vor allem ein System, durch das Käufer die Herkunft von Fisch kontrollieren könnten. Schacht: "Die Verbraucher sind auch bei uns nicht auf der sicheren Seite."(APA/dpa)