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Aborigines-Kinder in Alice Springs. Bis in die späten 60er Jahre war es für Regierungsbehörden und kirchliche Organisationen legal, die Minderjährigen ihren Eltern wegzunehmen.

Foto: Reuters/David Gray

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Paul Lennon hofft, dass sich die australische Regierung ein Beispiel an Tasmanien nimmt.

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Paul Lennon, der Premierminister des australischen Bundesstaates Tasmanien, gab am Dienstag bekannt, dass 106 Angehörige der Aborigine-Minderheit Entschädigungen von insgesamt fünf Millionen australischen Dollar (drei Millionen Euro) erhalten werden. Der Großteil der Empfänger gehört der sogenannten „Stolen Generation“ an: sie wurden als Säuglinge ihren Eltern weggenommen, um in weißen Pflegefamilien aufzuwachsen.

Lennon stellt sich damit offen gegen die Linie seines Labour-Parteigenossen, Premierminister Kevin Rudd, der Entschädigungszahlungen ablehnt: „Schlussendlich ist es Kevins Angelegenheit, wie auf Bundesebene damit umgegangen wird, aber ich hoffe, dass er sich das tasmanische Beispiel ansieht“, sagte er im australischen Fernsehen.

Kläger erhielt 267.000 Euro

Die Geschädigten haben die Möglichkeit, selbst auf Entschädigung zu klagen. In einem Präzedenzfall wurden Bruce Trevorrow im August des Vorjahres 446.000 australische Dollar (267.000 Euro) zugesprochen. Der australische Staranwalt Julian Burnside, der Trevorrow vor Gericht vertrat, betont allerdings, dass eine solche Klage mit hohen Kosten verbunden sei und fordert eine Lösung nach dem tasmanischen Modell: „Ein Kompensationssystem, das ohne Einzelklagen und Anwälte funktioniert, wäre viel effizienter“.

Zwischen 1910 und 1970 Jahre wurden in Australien insgesamt 13.000 Aborigines-Kinder ihren Familien entrissen, um in Haushalten der weißen Bevölkerung oder Kinderheimen aufzuwachsen. Der Ende November abgewählte konservative Premierminister John Howard hatte sich in seiner elfjährigen Amtszeit stets geweigert, eine offizielle Entschuldigung abzugeben. Rudds Labour-Regierung hat zwar eine Entschuldigung angekündigt, lehnt direkte Zahlungen aber ab. Stattdessen sollen Investitionen in Gesundheit und Bildung erhöht werden und Beratungseinrichtungen, die Betroffene bei der Suche nach ihren Verwandten unterstützen, mehr Geld erhalten. (bed/derStandard.at, 22.1.2008)