Die EU-Erweiterungsrunde vom Mai 2004 brachte auch eine Veränderung der österreichischen „Wissenschaftsaußenpolitik“ mit sich: „Der Schwerpunkt der Aktivitäten verlagerte sich von Mittel- auf Südosteuropa“, erklärt Gisela Zieger vom Wissenschaftsministerium. Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Serbien inklusive dem Kosovo wird seitdem mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Die Leiterin der Forschungskooperationen im Ministerium erläutert: „Es gilt in erster Linie die Zusammenarbeit mit diesen Ländern zu intensivieren und in die europäische Wissenschafts- und Forschungskooperationen zu integrieren.“

Eine Tatsache, die sich in den beiden aktuellen „Calls for Proposals“ der österreichischen Verbindungsbüros für Wissenschaft und Forschung, den Austrian Science and Research Liaison Offices (ASO) in Südosteuropa widerspiegelt. Koordiniert werden die Verbindungsbüros vom Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) in Wien, finanziert vom Bmwf.

„Unser Focus war anfangs bilateral ausgerichtet“, stellt Martin Felix Gajdusek, Leiter des ASO in Sofia, fest. „Seit der Strategieänderung hat sich unser Betätigungsfeld aber verbreitert.“ Ausgehend von einem Demokratisierungs- und Hilfsanspruch für Forscher, sei man zudem mittlerweile auf einer kooperativen Ebene der Zusammenarbeit angelangt, fügt er hinzu. Gemeinsam mit dem Verbindungsbüro in Ljubljana werden die jetzigen Aufrufe zur Einreichung von Projektvorschlägen koordiniert. Es geht darin um Forschungskooperationen, Anbahnung und Netzwerkbildung zwischen Österreich, Slowenien, Bulgarien und Südosteuropa bzw. dem Kosovo/UNMIK (Übergangsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo).

Dialog steht im Vordergrund

Beide Calls enden am 31. Jänner und sollen Forscher aus den genannten Ländern anregen, gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Während der Kosovo-Call thematisch offen ist, sind die inhaltlichen Koordinaten des zweiten Calls mit den Themen Schutz der Biodiversität, Klimawandel und Energieknappheit festgelegt. Dialog und Networking stehen im Vordergrund. 119.000 bzw. 120.000 Euro (Kosovo-Call) gibt es dafür an Fördergeldern.

Die österreichischen Aktivitäten für die Zusammenarbeit mit Südosteuropa sind mit dem EU-Aktionsplan für die Wissenschaftszusammen arbeit mit den sogenannten „Western Balkan Countries“ abgestimmt. „Durch die Konstellation Ljubljana-Sofia können wir den gesamten Westbalkan abdecken“, sagt Gajdusek. Ziel sei es in spezifischen Forschungsbereichen die Integration der südosteuropäischen Länder voranzutreiben. Zudem soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen F&E Einrichtungen stimuliert werden, wie sein Kollege Miroslav Polzer vom slowenischen ASO, das seit 1990 existiert, sagt.

Zu den jährlichen Calls kommen pro Jahr rund vier internationale Konferenzen mit Beteiligung von Stakeholdern und/oder Wissenschaftern aus dem südosteuropäischen Raum hinzu. Als erfolgreiches Beispiel erwähnt Gajdusek eine Konferenz aus dem Jahr 2004 mit dem Thema „Frauen in der Wissenschaft“. Woraus sich ein gesamtsüdosteuropäisches Netzwerkprojekt entwickelt hätte, welches schließlich in ein EU-Projekt übergegangen ist. Erste Publikationen sollen in Kürze folgen.

Gajdusek betont auch den Mehrwert für Österreich: Man habe Zugang zu den Ressourcen in der Region – Archive, Forschungsergebnisse stünden zur Verfügung. Und: „Es werden wichtige Kontakte geknüpft.“ (Markus Böhm/DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2008)