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Arnel Pineda wurde von seiner Rockband im Internet gefunden.

Foto: Reuters
Seit Internet über Breitband in Haushalte kommt, ist das Netz um vieles bunter und bewegter geworden: Video macht sich breit, und das von Google um 1,65 Milliarden Dollar gekaufte YouTube ist nur die derzeit prominenteste Plattform. Aber "damit Geld zu machen ist noch in einer ganz frühen Phase", sagt Patrick Walker, der für Googles Videostrategie in Europa verantwortlich ist. "Unser Schwerpunkt liegt bei der weiteren Entwicklung und Lokalisierung der Plattform. Seit wir im vergangenen Herbst eine deutsche Version herausgebracht haben, sind unsere Zuschauerzahlen in diesem Raum gewaltig gestiegen."

Professionalisierung der Inhalte

Walker beobachtet eine Art Professionalisierung der Inhalte. War es vor ein paar Jahren noch "jeder mit einem Kamerahandy, der einen Clip machte und online stellte", so beginnen sich Amateure zu Halbprofis zu wandeln, suchen junge Künstler ein Publikum, betätigen sich etablierte Profis auf YouTube als "Talent Scouts". So stieß die Band Journey auf der Suche nach einem neuen Leadsänger auf das Amateurmusikvideo von Amel Pineda aus Manila - jetzt ist er Journeys neuer Leadsinger.

Digitale Zukunft

In welche Richtung sich Online-Video und TV-Websites entwickeln, ist jedoch weiterhin völlig offen, wie sich bei der von Hubert Burda veranstalteten digitalen Zukunftskonferenz DLD 08 in München zeigte.

Während YouTube stärker mit Partnern wie CNN (bei den US-Wahldebatten) arbeitet, um seine Flut an Videoclips durch professionell produzierten Content aufzuwerten, gehen andere Webservices stärker in Richtung TV.

TV-Shows fürs Web produziert

"Wir bringen die populärsten TV-Shows, die ausdrücklich für das Web produziert werden", beschreibt die frühere TV-Moderatorin Diana Kaplan das Konzept des von ihr mit gegründeten Blip.TV.

Der Online-Vorteil: Billigere Produktionskosten und Werbemöglichkeiten auch bei viel kleineren Zuschauerzahlen als bei TV-Networks. "Wir haben zwei Einkunftsquellen: einerseits Partnerschaften mit Video-Werbenetzen wie Google, andererseits verkaufen wir für unsere Top-50-Shows selbst Sponsorschaften", sagt Kaplan.

Produktion und Vertrieb kontrollieren

"Talentierte Leute wollen selbst Produktion und Vertrieb ihres Content kontrollieren wie zum Beispiel Madonna oder Radiohead", erklärt Kaplan. "Das macht auch der Streik der Hollywood-Autoren deutlich. Die Leute denken sich, wenn wir erfolgreiche Webshows kreieren, dann sind wir unser eigener Boss." Websites wie Blip.TV würden dafür eine Plattform bieten und Einkommen aus Werbung mit den Content-Inhabern teilen. "Das schadet den TV-Networks, denn ihre Selbstdefinition ist, dass sie sowohl die Talente als auch den Content besitzen."

Es fehlt eine gute Fernbedienung

"Was dem Internet bei Video und TV fehlt, ist eine gute Fernbedienung", sagt Surandra Chandratillake, Gründer der Video-Suchmaschine Blinkx.com . "Videoinhalte leben im Internet auf vielen verschiedenen Websites, und man muss sie für Benutzer einfach zugänglich machen", führt der Web-Unternehmer und Computerwissenschafter aus. Unter Zuhilfenahme von "Metadaten" (Texte, die Videos beschreiben), aber auch auditiven und visuellen Suchtechniken bereitet das Portal "18 Millionen Stunden Content von 220 Partnern" auf.(Helmut Spudich aus München/DER STANDARD, Printausgabe vom 23.1.2008)