Ein Tallinner Gericht hat am Mittwoch das erste Urteil gegen einen Hacker im Zusammenhang mit den umfassenden Internet-Attacken auf estnische Regierungsserver im vergangenen Frühjahr ausgesprochen. Ein in Tallinn wohnender 20-jähriger wurde wegen Computer-Sabotage zu einer Geldstrafe von rund 1.100 Euro verurteilt.

Erwiesen

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Verurteilte und weitere, bisher unbekannte Mithelfer mehrere Server der Reformpartei von Ministerpräsident Andrus Ansip durch sogenannte Denialof-Service-Attacken (DDoS) lahmlegte. Der Verurteilte gestand die Tat und gab an, aus Protest gegen die Regierung und insbesondere die Partei des Ministerpräsidenten gehandelt zu haben. Ansip wird von Kritikern vorgeworfen, die Verlegung des sogenannten "Bronze-Soldaten"-Denkmals aus der Tallinner Innenstadt als bewusste Provokation und mit dem Ziel des Stimmenfangs im Wahlkampf betrieben zu haben.

19-Jähriger getötet

Bei den zum Teil ethnisch motivierten Unruhen in der Zeit zwischen 26. und 29. April 2007 in Tallinn und Ostestland wurden über 100 Personen verletzt, ein 19-Jähriger getötet und rund 1.200 Personen festgenommen. Im Anschluss daran kam es zu den mehrere Wochen dauernden Internet-Attacken auf Regierungs- und Polizeiserver, für die die estnische Regierung zunächst indirekt sogar den russischen Präsidenten Wladimir Putin verantwortlich machte. Kommenden Montag wird in Tallinn der Prozess gegen vier Aktivisten fortgesetzt, denen vorgeworfen wird, die Unruhen angezettelt und organisiert zu haben.(APA)