Wie schnell die Stimmung kippen kann, wurde beim Weltwirtschaftsforum in Davos deutlich: Die Kritik an der Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins um 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent zu senken, fiel nicht nur überraschend einhellig, sondern auch deutlich aus. Der Eindruck, dass es sich um eine Panikreaktion handelt, wird dadurch verstärkt, dass die Absenkung so massiv in einem Schritt ausfiel.

Was noch mehr Sorgen machen muss, ist die Einschätzung gleich mehrerer Experten, dass die Finanzmärkte außer Kontrolle sind. Wenn selbst ein Investmentbanker wie George Soros meint, dass Märkte nicht mehr hinreichend reguliert seien, zeigt das den dringenden Handlungsbedarf. Es hat schon fast etwas Groteskes, wenn ausgerechnet Vertreter des Neoliberalismus, als die sich nach Ansicht von Globalisierungskritikern all die in Davos Versammelten bezeichnen lassen müssen, nach klaren Strukturen, Regeln, Führung und Kontrolle rufen.

Durch proaktives und konzertiertes Handeln der Notenbanken weltweit hätte die derzeitige Krise abgemildert werden können. Zwar wurde ein Platzen der Immobilienblase in den USA schon seit Monaten vorausgesagt, aber dass die Auswirkungen gerade bei europäischen Banken so massiv sein werden, war die eigentliche Überraschung. Es zeigt sich, dass die Bawag kein Einzelfall ist: Jahrelang wurden im großen Stil ohne entsprechendes Eigenkapital Kredite vergeben. Jetzt hilft nur noch Offenheit, und alle "faulen Kredite" aller Banken müssen offengelegt werden. Der drohende Bankrott führender Institute ist durch die Zufuhr von billigem Geld vorerst abgewandt. Wie massiv der Schaden durch den Vertrauensverlust von Bankkunden und Anlegern ist, wird davon abhängen, ob die Stimmung wieder zum Positiven gewendet werden kann. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.01.2008)